2016-04-28

Ungeteilte Aufmerksamkeit

Wir alle mögen sie. Ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn uns jemand seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Ohne Ablenkung. Wir nicht mit anderen geteilt werden. Wenn unsere Bedürfnisse erkannt und befriedigt werden. Ich glaube sogar, wenn man dies in frühen Kinderjahren versäumt hat zu erfahren, wurde der Bedarf nie gestillt und führt unwiederbringlich zu verschiedenen Verhaltensmustern bis spät ins Erwachsenenalter. Das kann zu allen möglichen Beziehungsproblemen führen, weil wir immer (unbewusst) erwarten, dass andere unseren Liebestank füllen (sollen). Das funktioniert natürlich nicht, weil kein Mensch später diese Lücke füllen kann.

Ich habe die Beziehung zwischen meiner Tochter und ihrem Papa sowie zwischen ihr und mir in der letzten Woche etwas genauer beobachtet, nachdem ich mich im letzten Blogeintrag fragte, warum sie v.a. ihrem Papa gegenüber manchmal so ablehnend ist. Ich denke, ich habe dies nun ein Stück weit erkannt.

Zum einen ist es natürlich so, dass sie uns testet mit ihrem teilweise aufmüpfigen Verhalten. Wie weit kann ich gehen, bis mir Grenzen gesetzt werden? Wie reagieren Mama oder Papa auf dieses oder jenes Verhalten? Dann spielt sehr stark eine Rolle wie viel Zeit man ihr widmet. Da ich für gewöhnlich mehr Zeit mit ihr verbringe, schließe ich daraus, dass sie deshalb auch mehr an mir hängt. Primär nach mir fragt. Aber es reicht nicht aus nur da zu sein. Wir müssen uns regelmäßig mit ihr beschäftigen, ihr unsere volle Aufmerksamkeit schenken, ohne Ablenkung.

Ich beobachtete, dass sie oft ankam und er -da beschäftigt- nur wenig auf sie einging bzw. sie "ablehnte", indem er ihr sagte, dass er jetzt gerade keine Zeit hätte. Wie war das noch? Das was wir aussenden, kommt zu uns zurück. Also, seine "Ablehnung" resultierte in ihrem ablehnenden Verhalten bzw. bevorzugen einer anderen Person. Klingt logisch oder? Wenn ich die Aufmerksamkeit, die ich gerade haben möchte nicht von der einen Person bekomme, dann hole ich sie mir bei der anderen (wenn eine da ist).
Ich fragte also meinen Mann wie viel ungeteilte Aufmerksamkeit er ihr wirklich schenkte und schlug vor mehr Quality Time mit ihr zu verbringen. Sofort bekam er die Belohnung von ihr. Sie freute sich unglaublich und drehte dann sogar den Spieß um (war aber sehr lieb dabei!;-), indem sie meinte, ich sollte in das andere Zimmer gehen. Vorher allerdings wusch und trocknete sie mir einen Apfel ab und meinte, den sollte ich nun essen. Aber im anderen Zimmer. Ich konnte mein Grinsen nicht verbergen und dann hieß es sofort: "Nicht lachen!" (sie will nicht, dass man über sie lacht. Klar, wer mag das schon?;-)

Jedenfalls zeigt es doch, wie schnell sich ein Verhalten aufklären lässt. Ich finde es ganz spannend, die Entwicklung meiner Tochter zu beobachten und zu sehen, wie sich ständig etwas verändert. Auch bin ich beeindruckt wie schnell sich ein Verhalten umkehren lässt, wenn man dem Kind die Aufmerksamkeit schenkt, die es braucht.

Für uns bedeutet das. Wir müssen sie einfach noch mehr in unseren täglichen Aufgaben mit einbeziehen (was mittlerweile auch schon ganz gut klappt, da sie sehr gerne mithilft) oder mal eine Pause für sie machen, damit sie zufrieden ist. Letztendlich ist damit allen geholfen und das Familienklima wesentlich angenehmer. Natürlich erfordert dies auch ein großes Maß an Geduld.

Nach der Erkenntnis, dass sie ein Kind ist, dem ungeteilte Aufmerksamkeit extrem wichtig ist, habe ich einen sehr interessanten Artikel gefunden, der meinen Ansatz bestätigt: Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen. Dort werden auch die verschiedenen Arten von Aufmerksamkeit erklärt und ob das Kind, die von ihm bevorzugte Art von Aufmerksamkeit bekommt. Bestimmte Arten der Aufmerksamkeit können effektiver sein, als andere. Höchst spannend!

Kommentare:

  1. Oh ja, das kenne ich nur zu gut. Ich HASSE es, wenn ich keine ungeteilte Aufmerksamkeit bekomme. Meine Partnerin kann ein Lied davon singen, dass ich dann sofort ganz gereizt und zickig werde. Ich denke, es liegt an dem oben beschriebenen Aufmerksamkeitsdefizit - ich habe kürzlich erfahren, dass meine Mutter nach meiner Geburt eine postnatale Depression hatte ... Ich arbeite daran, es loszuwerden ...

    Herzliche Grüße, Monika

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    1. Vielen dank für deine Rückmeldung. Ja, ich kann mir denken, dass das für beide Parteien nicht einfach ist. Ich kenne das selbst und ich denke es liegt daran, dass wir einfach zu viele Kinder im Elternhaus waren, sodass ungeteilte Aufmerksamkeit ein wahrer Luxus war bzw. so gut wie nicht vorhanden. Das denke ich, ist einfacher auch als Eltern umzusetzen, wenn es nur ein Kind gibt. Da kann man sich voll und ganz auf das Eine konzentrieren. Darf ich fragen, wie du daran arbeitest?
      Liebe Grüße!

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