2016-04-18

Kleines Wesen große Wirkung

Ich hoffe, ich habe in meinem letzten Bogartikel nicht den Anschein erweckt, dass ich nicht nicht glücklich über das Dasein meiner Tochter bin. Das bin ich. Ich möchte sie nicht mehr missen. Es ging mir lediglich um mehr Zeit für mich, für meine Bedürfnisse. Natürlich ist meine Tochter auch ein Bedürfnis. Sie tut mir gut, wenn auch zugegeben in Maßen. Ich finde sie ein wunderbares Kind, trotz mancher Anstrengung und gerade neulich wurde mir das wieder klar, wie sehr ich viele ihrer Charaktereigenschaften schätze, als sie mit einem anderen Kind ihres Alters spielte.

Ich denke, meine Hochsensibilität und ihr empathisch autonomes Wesen können gut miteinander harmonieren. Ich hatte ein paar ihrer Eigenschaften schon einmal erwähnt. Manchmal macht sie den Eindruck einer kleinen Erwachsenen. Sie ist sehr willensstark, selbständig und redet altklug. Sie guckt genau zu, was andere machen und kommentiert und analysiert dieses.

Diese Worte stammen aus ihrem Mund:
"Das ist aber nicht schön. Leute ihren Müll in Abfall tun. Die müssen das mal lernen!" (Müll liegt am Straßenrand. Dass das nicht schön ist und man so etwas nicht macht, haben wir ihr anfangs erzählt.)
"Ich kann das schon. Ich bin groß. Soundso kann das noch nicht. Muss das noch lernen." (zeigt stolz, dass sie etwas kann, was andere Kinder noch nicht können)
"Nicht in den Mund nehmen! Schnee ist schmutzig." (zu einem anderen gleichaltrigen Kind)
Ich: "Hey, süße Maus!" Sie: "Nein, F wie Freya" (Name abgeändert)
"Wenn Mama Kind wird, Mama das auch machen kann." (eben das, was nur Kinder machen:-)
"Freya Mama vom Kindergarten abholen." (Sie meint umgekehrt)
"Komm, ich helfe dir. Keine Sorge, Mama, wir finden das schon!" (ich suche was im Laden)

Sie hat ein freundliches, offenes Wesen und ist sehr beliebt bei ihren Mitmenschen. Sie ist sehr selbstbewusst und überzeugt, dass sie etwas gut macht, auch wenn es vielleicht noch nicht so gut klappt. Sie möchte alles selbst machen. Kritik darf nur sparsam angewendet werden, sonst kann sie beleidigt oder energisch reagieren. Sie ist sehr ungeduldig. Läuft etwas nicht so wie sie es will, geht schnell das Temperament mit ihr durch. Sie lässt sich nur etwas sagen, wenn es für sie plausibel und nachvollziehbar ist. Das war lange Zeit ein echtes Problem, als sie vieles noch nicht verstand und auch noch nicht richtig kommunizieren konnte.
Sie hat eine exzellente Auffassungsgabe und ist dadurch sehr vernünftig und einsichtig für ihr Alter. Sie ist eine Beobachterin und sehr zuvorkommend und mitfühlend bei anderen Kindern und Erwachsenen. Sie möchte ständig andere Menschen umsorgen und ist sehr hilfsbereit. Das ist wirklich rührend und habe ich bei keinem Kind ihres Alters bisher so gesehen.

Sie ist mir in gewisser Weise voraus. Während ich sehr auf meine Bedürfnisse fixiert bin (weil ich ständig das Gefühl habe, sie kommen zu kurz), sieht sie die Bedürfnisse anderer und ist trotzdem voll und ganz bei sich.

Wobei ich ihr helfen kann, ist Verständnis für ihr Anderssein zu zeigen. Ich bin ja auch anders. Mich verstehen auch viele Leute nicht. Wenn sie also ein Verhalten zeigt, das andere irritiert oder missfällt, dann kann ich vermitteln. Darüber bin ich sehr froh und sie dankbar. :-) Woran ich das merke? Sie ist ein absolutes Mamakind, obwohl sie auch viel Zeit mit dem Papa verbringt. Das hat sich aber nie geändert.

In der Regel verstehen sich die beiden. Doch manchmal ist sie ziemlich ablehnend dem Papa gegenüber. Dann sagt sie Dinge wie: "Nur Mama lieb hat, nicht Papa." "Papa weg!" Einmal hat sie ihn sogar in ein anderes Zimmer geschickt. Da musste ich einschreiten und fragte sie warum sie das tat. Sie wiederholte nur, dass er weg sollte. Dann sagte ich ihr, dass das nicht nett von ihr war und der Papa sehr wohl mit uns am Tisch essen durfte. Das beeindruckte sie nicht weiter. Die Frage, warum sie das tat, beantwortete sie nicht. Als ich ihr sagte, dass der Papa jetzt bestimmt traurig ist, weil er nicht bei uns sein darf, wurde sie sofort hellhörig und wollte mal nach ihm sehen. Danach war wieder alles gut.

Ob sie uns so testet? Aber warum ist Papa immer der Buhmann?
Es liegt nicht daran, dass er sich nicht liebevoll um sie kümmert, aber ich denke, dass er manchmal ihre Bedürfnisse (sowie meine) nicht zu 100% wahrnimmt und darauf entsprechend eingeht und es dadurch zu Konflikten kommt.

Ob ich sie zu sehr verwöhne und zu viel durchgehen lasse? Bestimmt! Aber ich kann nicht anders. Sie ist mein kleines Mädchen. Ich liebe sie und würde sie gegen nichts in der Welt eintauschen.


Die Antworten auf meine Fragen in diesem Artikel habe ich etwas später im Artikel "Ungeteilte Aufmerksamkeit" aufgeschrieben.

1 Kommentar:

  1. Mit dem Konsequent sein habe ich auch oft so meine liebe Not, vor allem Abends. Ich bin dann einfach total ausgelaugt und habe keine Kraft mehr für Diskussionen. Ich habe allerdings nicht das Gefühl, dass mein Sohn das ausnutzt und dafür bin ich ihm echt dankbar.

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