2017-09-30

Wie die Zugvögel...

...reisen wir gen Süden. In wärmere Gefilde. Das Herbstkleid schmückt die Bäume und so schön es anzusehen ist, so weiß jeder, der Winter steht direkt vor der Tür. Nachts erreicht das Thermometer hier oben in Nordschweden bereits Minustemperaturen und das Wasser in den Seen kann jederzeit zu Eis erstarren. Nachts legt sich ein sanfter nass-kalter Nebel über die Landschaft. An manchen Tagen hängt er den ganzen Tag zwischen den Bäumen und die tiefstehende Sonne schafft es nicht mehr ihn aufzulösen.



Viele Jahre haben wir dieses Geschehen beobachtet. Den Wechsel der Jahreszeiten. Kurze, oft verregnete und mückenreiche Sommer, die wenig beliebt sind bei der örtlichen Bevölkerung werden abgelöst von dem früh einsetzenden Herbst (ab Mitte August), der für ein paar Wochen alles zum Leuchten bringt. Die Jäger gehen in den Wald zur Elchjagd. Die Büsche hängen voller Beeren. Die Zuvögel kehren zurück auf ihrer Reise in den Süden. Unter ihnen die Kraniche und Singschwäne. Der erste Schnee fällt Ende September oder Anfang Oktober. Nun fällt die Natur für die nächsten 6-8 Monate in den Winterschlaf. Die Rentiere haben wieder ein schön dickes Fell und sind wohl genährt nach dem nahrhaften Sommer und Herbst. Die Bäume knacken bei stetig sinkenden Temperaturen und das Eis auf den Seen ächzt und knallt. Manchmal "singt" es auch, wenn das Eis Risse bildet. Die Landschaft wird in ein weißes Kleid gehüllt, ganz still und leise fallen die Flocken unentwegt bis sich eine dicke Schneeschicht gebildet hat. Die Polarnächte lassen nicht viel Tageslicht zu aber es kommt ein weiteres Licht hinzu. Das Polarlicht. Es schmückt den Polarnachthimmel in den tollsten Farben. Das Phänomen des Nordlichtes, das viele Menschen in den Norden lockt. Im März kommt die Sonne wieder über den Horizont und strahlt hell auf die schneebedeckte Landschaft. Das ist in Lappland die fünfte Jahreszeit. Der Frühlingswinter. Die Lieblingsjahreszeit der lokalen Bevölkerung. Alles zieht nach draußen mit Schneemobil oder auf Skiern. Das Eisangeln eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Bis in den Mai hinein dauert es bis der letzte Schnee verschwunden ist. Die Natur erscheint zunächst tot, überschwemmte Flüsse und Seen überall. Aber die Natur schafft es auf wundersame Weise innerhalb kürzester Zeit alles zum Grünen und Blühen zu bringen. Dank langen Mittsommernächten an denen es dann nicht mehr dunkel wird. Vier schneefreie Monate bis das Spektakel von neuem beginnt. Keine Frage, die Menschen, die hier oben wohnen, müssen den Winter mögen. Das haben wir auch viele Jahre getan. Die Ruhe genossen, saubere Luft eingeatmet, in der Natur gelebt.
Jetzt zieht es uns raus. Raus in die Welt. Szenenwechsel. Die Sinne stimulieren. Neue Eindrücke sammeln. Wärme tanken. Also folgen wir den Zugvögeln auf ihrer langen Reise gen Süden. Ins Abenteuer Leben.

2017-09-24

Small-Talk

Schon lange geistert dieses Thema immer mal in meinem Kopf herum aber irgendwie hab ich ihm nie einen eigenen Artikel gewidmet. Da ich mit dem Thema Small-Talk in den letzten Monaten verstärkt konfrontiert wurde, möchte ich es doch mal ansprechen. Gleich vorweg, Small-Talk ist nicht eine meiner Stärken. Small-Talk ist für viele Hochsensible eine echte Herausforderung. Aber man kann es auch lernen, wenn man sich darauf einlässt.

Früher gelang mir Small-Talk mal mehr mal weniger gut. Dann vermied ich ihn fast gänzlich, wodurch ich mich auch ziemlich abschottete. Dann lernte ich, dass er für mich zwar ein notwendiges Übel ist aber durchaus seine Berechtigung hat in der Kommunikation zwischen den Menschen. Heute ist Small-Talk immer noch eine Herausforderung für mich. Allerdings kann es manchmal auch Spaß machen! Das hängt natürlich von meinem Umfeld und meiner Stimmung ab. Es hängt aber auch davon ab, wie sehr ich mich darauf einlassen möchte. An manchen Tagen ist er mir zuwider und ich sehe einfach keinen Sinn darin mich über belangloses Zeug zu unterhalten. Alles viel zu oberflächlich! An anderen Tagen kann es die Stimmung auflockern, für viele Menschen scheint es oft wichtig, weil man sich austauscht oder Interesse an dem anderen Menschen zeigt. Oft wird es aber auch genutzt, um einfach Zeit tot zu schlagen (z.B. auf der Arbeit). Letzteres finde ich persönlich am schlimmsten. Beteiligt man sich nicht an einem Gespräch und mag es noch so belanglos sein, kann das beim Gegenüber als Desinteresse oder gar Ablehnung interpretiert werden und man wird als merkwürdig/unnahbar abgestempelt. Dass so ein "Gespräch" wirklich anstrengend für mich sein kann, wissen die anderen natürlich nicht, sie leben von diesem täglichen Austausch, der oft auch in Tratsch ausartet.

Nicht, dass man mich hier falsch versteht. Ich mag auch Austausch. Sehr gerne sogar. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, in deren Energiefeld ich mich wohl fühle oder anders ausgedrückt - wo die Chemie stimmt - und wo das Interesse echt ist (und nicht nur eine Höflichkeit). Ich unterhalte mich gerne über Lebensfragen, Gefühle oder persönliche Interessen. Also Dinge, die ich wichtig finde (Wetter, Essenstrends, wer gerade mit wem wie oft und der neueste Tratsch gehören nicht dazu!) und die im Small-Talk eigentlich nix zu suchen haben. Themen, die den meisten zu kompliziert sind oder über die sie sich nicht austauschen möchten oder nur in einem sehr engen Kreis. Das kann ich auch verstehen und respektiere ich auch. Mein Problem ist, dass ich, wenn ich merke, dass jemand nicht auf meiner Wellenlänge ist, kein gesteigertes Interesse habe mit demjenigen zu kommunizieren. Das resultiert darin, dass ich mich entweder gehörig anstrengen muss, um eine Konversation mit demjenigen zu führen oder aber mich von dieser Person bzw. den Personen distanziere bzw. mich nicht in ein Gespräch einklinke, also überwiegend schweige. Aber leider leider ist dieses Schweigen für viele auch nicht in Ordnung und sie sind dann unfreundlich oder behandeln einen als wäre man ein Außerirdischer. Sie respektieren also mein Verhalten nicht.

Nun habe ich ein paar Informationen zu dem Thema Small-Talk im Netz gefunden und habe herausgefunden, dass es vielleicht nicht nur meine Hochsensibilität ist, die Small-Talk oft als anstrengend oder sinnlos empfinden lässt, sondern zusätzlich auch ein kultureller Aspekt dahinter stecken kann. Je nach kultureller Herkunft kann es unterschiedliche Schwerpunkte bzw. Merkmale in einer Konversation geben. So ist der Deutsche z.B. meist sehr direkt in seinen Aussagen und redet nicht lange um den heißen Brei bzw. kommt gerne gleich zum Punkt und spart sich das sinnfreie Geschwafel drum herum, während in anderen kulturellen Kreisen Höflichkeitsfloskeln (egal wie aussagekräftig) das A und O sind (z.B. in den USA oder auch hier in Schweden). Small-Talk ist also nicht gleich Small-Talk.

Ich habe gelernt, dass Small-Talk wichtig für ein erstes Kennenlernen ist, für gute Stimmung sorgen kann und auch ein wichtiges Tool ist, um Verbindungen zu schaffen oder Aufrecht zu erhalten. Ist mir nicht danach aber ist es trotzdem wichtig (z.B. im Job), dann fasse ich mich dementsprechend kurz.

Mich würde interessieren: Wie steht ihr zu dem Thema? Wie wichtig ist euch Small-Talk? Mögt ihr ihn? Warum ja oder warum nein?