2017-09-24

Small-Talk

Schon lange geistert dieses Thema immer mal in meinem Kopf herum aber irgendwie hab ich ihm nie einen eigenen Artikel gewidmet. Da ich mit dem Thema Small-Talk in den letzten Monaten verstärkt konfrontiert wurde, möchte ich es doch mal ansprechen. Gleich vorweg, Small-Talk ist nicht eine meiner Stärken. Small-Talk ist für viele Hochsensible eine echte Herausforderung. Aber man kann es auch lernen, wenn man sich darauf einlässt.

Früher gelang mir Small-Talk mal mehr mal weniger gut. Dann vermied ich ihn fast gänzlich, wodurch ich mich auch ziemlich abschottete. Dann lernte ich, dass er für mich zwar ein notwendiges Übel ist aber durchaus seine Berechtigung hat in der Kommunikation zwischen den Menschen. Heute ist Small-Talk immer noch eine Herausforderung für mich. Allerdings kann es manchmal auch Spaß machen! Das hängt natürlich von meinem Umfeld und meiner Stimmung ab. Es hängt aber auch davon ab, wie sehr ich mich darauf einlassen möchte. An manchen Tagen ist er mir zuwider und ich sehe einfach keinen Sinn darin mich über belangloses Zeug zu unterhalten. Alles viel zu oberflächlich! An anderen Tagen kann es die Stimmung auflockern, für viele Menschen scheint es oft wichtig, weil man sich austauscht oder Interesse an dem anderen Menschen zeigt. Oft wird es aber auch genutzt, um einfach Zeit tot zu schlagen (z.B. auf der Arbeit). Letzteres finde ich persönlich am schlimmsten. Beteiligt man sich nicht an einem Gespräch und mag es noch so belanglos sein, kann das beim Gegenüber als Desinteresse oder gar Ablehnung interpretiert werden und man wird als merkwürdig/unnahbar abgestempelt. Dass so ein "Gespräch" wirklich anstrengend für mich sein kann, wissen die anderen natürlich nicht, sie leben von diesem täglichen Austausch, der oft auch in Tratsch ausartet.

Nicht, dass man mich hier falsch versteht. Ich mag auch Austausch. Sehr gerne sogar. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, in deren Energiefeld ich mich wohl fühle oder anders ausgedrückt - wo die Chemie stimmt - und wo das Interesse echt ist (und nicht nur eine Höflichkeit). Ich unterhalte mich gerne über Lebensfragen, Gefühle oder persönliche Interessen. Also Dinge, die ich wichtig finde (Wetter, Essenstrends, wer gerade mit wem wie oft und der neueste Tratsch gehören nicht dazu!) und die im Small-Talk eigentlich nix zu suchen haben. Themen, die den meisten zu kompliziert sind oder über die sie sich nicht austauschen möchten oder nur in einem sehr engen Kreis. Das kann ich auch verstehen und respektiere ich auch. Mein Problem ist, dass ich, wenn ich merke, dass jemand nicht auf meiner Wellenlänge ist, kein gesteigertes Interesse habe mit demjenigen zu kommunizieren. Das resultiert darin, dass ich mich entweder gehörig anstrengen muss, um eine Konversation mit demjenigen zu führen oder aber mich von dieser Person bzw. den Personen distanziere bzw. mich nicht in ein Gespräch einklinke, also überwiegend schweige. Aber leider leider ist dieses Schweigen für viele auch nicht in Ordnung und sie sind dann unfreundlich oder behandeln einen als wäre man ein Außerirdischer. Sie respektieren also mein Verhalten nicht.

Nun habe ich ein paar Informationen zu dem Thema Small-Talk im Netz gefunden und habe herausgefunden, dass es vielleicht nicht nur meine Hochsensibilität ist, die Small-Talk oft als anstrengend oder sinnlos empfinden lässt, sondern zusätzlich auch ein kultureller Aspekt dahinter stecken kann. Je nach kultureller Herkunft kann es unterschiedliche Schwerpunkte bzw. Merkmale in einer Konversation geben. So ist der Deutsche z.B. meist sehr direkt in seinen Aussagen und redet nicht lange um den heißen Brei bzw. kommt gerne gleich zum Punkt und spart sich das sinnfreie Geschwafel drum herum, während in anderen kulturellen Kreisen Höflichkeitsfloskeln (egal wie aussagekräftig) das A und O sind (z.B. in den USA oder auch hier in Schweden). Small-Talk ist also nicht gleich Small-Talk.

Ich habe gelernt, dass Small-Talk wichtig für ein erstes Kennenlernen ist, für gute Stimmung sorgen kann und auch ein wichtiges Tool ist, um Verbindungen zu schaffen oder Aufrecht zu erhalten. Ist mir nicht danach aber ist es trotzdem wichtig (z.B. im Job), dann fasse ich mich dementsprechend kurz.

Mich würde interessieren: Wie steht ihr zu dem Thema? Wie wichtig ist euch Small-Talk? Mögt ihr ihn? Warum ja oder warum nein?

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