2015-11-20

Sind HSPs Heulsusen?

Ich habe vor ein paar Tagen einen Podcast bei A Highly Sensitive Person's Life gehört, in dem es darum ging, ob HSPs schnell und viel weinen und möchte dazu ein paar Gedanken aufschreiben.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich mich über die Aussage, dass Hochsensible nah am Wasser gebaut sind, gewundert habe. Dr. Elaine Aron hat es auch als Eigenschaft aufgezählt und ich kann das so nicht bestätigen, weil es für mich impliziert, dass wir schnell, oft und viel weinen. Anders ausgedrückt: Heulsusen sind.
So geht es auch Kelly in ihrem Blog. Sie spricht davon, dass sie es eher so ausdrücken würde, dass ihr schnell Tränen in die Augen steigen, wenn sie von etwas stark berührt ist.

Natürlich ist es immer so, dass wir, ob hochsensibel oder nicht, in unterschiedlichen Situationen stärker berührt sind. Den einen berührt ein Sonnenaufgang besonders, den anderen eine Filmszene und den nächsten ein Song.

Ich kann mich Kelly nur anschließen, dass ich nicht mehr oder öfter weine, als andere Menschen. Im Gegenteil, ich finde sogar, dass ich weniger häufig weine, als andere Menschen in meinem Umfeld, die nicht hochsensibel sind. Es ist aber häufig so, dass ich innerlich stark berührt bin, wovon andere aber nicht unbedingt etwas mitbekommen müssen. Manchmal steigen mir dann die Tränen in die Augen, ohne, dass ich anfange zu weinen oder ich bekomme eine Gänsehaut oder ich werde auf andere Weise emotional (auffällig).

Wenn also gesagt wird, dass Hochsensible schnell und viel weinen, dann kann zumindest ich mich, wie Kelly auch, nicht damit identifizieren aber vielleicht sind wir auch die Ausnahmen. So viele HSPs kenne ich nun auch nicht.

Wie steht ihr zu dem Thema? Würdet ihr sagen, dass ihr nah am Wasser gebaut seid oder einfach öfter emotional berührt als andere?

2015-11-09

Mein Tempo

Schnell überreizt im normalen Alltag. Das kennt jede HSP. Früher hatte ich oft das Gefühl im normalen Alltag nicht mithalten zu können. Immer Vollgas auf der Autobahn. Heute bestimme ich zunehmend selbst mein Tempo und drücke auch schon mal auf die Bremse, wenn es zu viel wird.

Früher hab ich mich permanent übernommen, weil ich meine Grenzen nicht wahrnahm bzw. einfach immer wieder überschritt. Ich wusste nicht, wie ich achtsam mit mir sein konnte, denn ich verglich mich ständig mit anderen, sah, was sie leisteten und wurde auch permanent von meinem familiären Umfeld gefordert. Wenn ich das tat, was von mir erwartet wurde, war ich fleißig, wenn nicht, faul. So einfach war das. Natürlich möchte man nicht als faul abgestempelt werden und deshalb gab ich immer Vollgas auch wenn mir schon längst der Kraftstoff ausgegangen war. Irgendwann waren dann auch die Reserven aufgebraucht und dann wurde ich krank.
Mittlerweile fällt es mir leichter entspannter zu leben, denn ich habe es nun auch einige Jahre in einem anderen Land vorgelebt bekommen und -noch wichtiger- ich habe mich von alten Mustern gelöst. Hier bin ich gut so wie ich bin. Andere Länder, andere Menschen, andere Maßstäbe.

Doch worauf kommt es an im Leben? Immer nur mithalten zu können? Nein, ich möchte mein eigenes Tempo gehen können. Selbstbestimmt. Ich sein. Frei. Ich glaube, jeder hat sein Talent. Durch Individualität können wir glänzen. Die zwanghafte Angepasstheit macht nur unbeweglich. Außerdem ist Konformität langweilig.

Welches Tempo lebt ihr? Gebt ihr noch Vollgas oder lasst ihr euch gemütlich vom Lebensstrom treiben?