2015-10-18

Mein vor Empathie sprühendes Kind

[Ich habe diesen Post Anfang des Jahres, im Januar, geschrieben und bisher nicht veröffentlicht. Er lag in einer Ecke von Entwürfen. Als ich ihn nach längerer Blogpause nun wiederfand, dachte ich: ein wahrer Herzensartikel! Zu schade, um ihn nicht mit anderen zu teilen. Hier ist er also. :-)]

Sie ist ein Geschenk. Ich liebe sie. Ganz unverhofft trat sie in mein - in unser - Leben. Wir sind überglücklich, dass es sie gibt.

Ich habe meine süße Maus schon öfter im Blog erwähnt. Heute möchte ich einen Blogpost nur ihr widmen.

Von Anfang an spürten wir, dass sie anders ist, als andere Babys. Ein sehr ruhiges und wachsames Baby mit dem "Erwachsenenausdruck". Sie war und ist die Beobachterin. Am Anfang fiel es mir etwas schwer, weil ich nicht so recht wusste, wie ich mit ihr umgehen sollte. Ok, das lag vielleicht auch daran, dass ich eine frischgebackene und noch unerfahrene Mama war. Sie war ein sehr ruhiges Baby, zumindest, solange sie regelmäßig (viel und oft) ihre Mahlzeiten bekam. Noch heute, ist sie eine Genussesserin und das war v.a. im ersten Jahr, in dem ich stillte, ziemlich anstrengend, um es mal vorsichtig auszudrücken! Ansonsten war sie eher ein ruhiger Geselle. In den ersten Monaten bewegte sie sich nicht viel, eigentlich nur ihre Ärmchen und Händchen. Sie wurde auch liebevoll von uns "der Dirigent" genannt. Dies führte dazu, dass sie schon früh geschickt mit den Händen arbeitete. Bis ca. zum 8. Monat bewegte sie kaum ihren Unterkörper. Selbständig laufen konnte sie mit 18 Monaten. Sie war also, was die motorischen Fähigkeiten angeht, eher ein Nachzügler, zumindest beintechnisch. Das war für mich als Mutter recht entspannend, da ich bis sie ca. 14 Monate alt war mir keine Sorgen machen musste, dass sie sich verselbständigt und die Gegend unsicher macht. Legte ich sie irgendwo ab, blieb sie da eine halbe Stunde oder länger liegen bzw. sitzen und beschäftigte sich mit Gegenständen, die sie mit den Händchen untersuchte.

Generell ist sie eher der vorsichtige, bedachte Typ. Man muss sie eher "anstupsen", als dass sie vorausprescht und man sie zügeln müsste. Früh, schon in den ersten Monaten, ist mir aufgefallen, dass sie sehr empfindsam auf Stimmungen reagiert. Ich hatte das Gefühl, sie fühlte mit, wenn Spannungen in der Luft lagen. Wenn ich mich über sie aufregte, dann war sie sehr betroffen und regte sich auch auf. So als könne sie es überhaupt nicht ertragen, wenn ich ihr nicht gut gesonnen war. Einmal, erinnere ich mich, zog ich mich zurück und weinte still vor mich hin. Da kam sie ins Zimmer und nahm Anteil. Sie verstand, dass es mir nicht gut ging und sie holte mir sogar ein Taschentuch! Sie war da ca. 20 Monate alt. Das hat mich zutiefst gerührt.

In den ersten Monaten fing sie häufig an zu weinen, wenn sie andere Menschen, außer uns, sah. Von anderen streicheln oder anfassen lassen, wollte sie sich, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, überhaupt nicht. Wenn jemand sie ansprach oder anlächelte, reagierte sie kaum darauf oder eben mit weinen. Es dauerte teilweise sehr lange, bis jemand ihr ein Lächeln abringen konnte. Das hat sich mittlerweile geändert. Sie ist vorsichtig Fremden gegenüber, worüber ich auch sehr froh bin, aber sie taut jetzt schneller auf und interagiert auch mit anderen Leuten. Sie ist aber immer noch sehr wählerisch, wen sie wie nah an sich heran lässt. Das ist sehr unterschiedlich. Ich nehme an, sie fühlt sich einfach bei manchen Menschen wohler, als bei anderen, je nach Ausstrahlung des anderen.

Mittlerweile kuschelt sie gerne und viel. Das mochte sie am Anfang nicht so. Zwar wollte sie Nähe, aber gestreichelt werden eher nicht. Sie zeigt mir ständig mit Kussmund und indem sie auf meinen Schoß krabbelt und kuscheln möchte, dass sie mich abgöttisch liebt. Sie küsst ständig alles ab, auch Gegenstände. Wenn sie den Mond sieht, macht sie einen Kussmund. Wenn sie Tiere in einem Buch sieht, knutscht sie diese ab. Ich habe ja nun nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Kindern, aber ich denke, dass nicht jedes Kleinkind das macht.

Sie ist von klein auf sehr neugierig, was eigentlich täglich dazu führt, dass sie zu wenig schläft, weil sie einfach nicht zur Ruhe kommt. Überreizung? Es ist ein großer Kraftakt, sie zum Schlafen zu bewegen und wir sind jedes mal super froh, wenn die Erschöpfung sie einfach übermannt. Einfach hinlegen und schlafen klappt bis heute nicht. Tagsüber nur im Kinderwagen oder Auto und abends nur mit Mama an der Seite.

Sie wollte von Anfang an alles selbst machen. Schon als sie 5 Monate alt war, wollte sie selbständig essen. Helfen lassen funktioniert nur sehr behutsam, manchmal auch gar nicht, dann blockt sie total ab und streikt, wenn sie es nicht selbst machen darf. Sie isst bis heute lieber mit den Händen, als mit Besteck. Wir machen es ihr zwar anders vor, aber sie bleibt bei ihren Vorlieben, egal was wir sagen oder machen.

Da wären wir auch schon bei ihrer nächsten Eigenschaft. Sie weiß, was sie will (oder auch nicht will) und lässt sich von ihrem Vorhaben entweder gar nicht oder nur sehr schwer abbringen. Das führt auch schon einmal zu dem ein oder anderen Tobanfall.

Generell muss ich aufpassen, dass ich ihr nicht zu viel recht mache oder zu viel durchgehen lasse. Die Tendenz ist da, weil sie eine super liebe Art hat, die es mir fast unmöglich macht ihr etwas abzuschlagen. Wenn sie etwas nicht bekommt, meckert sie nicht herum oder benimmt sich daneben, nein im Gegenteil, sie nimmt es zunächst hin, versucht dann aber doch indem sie mit Küsschen oder auf etwas zeigen, uns unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie das aber doch gerne haben möchte. Dazu die großen Kulleraugen... muss ich mehr sagen? ;-)

Sie ist sehr redselig. Zwar spricht sie bisher nur wenige Worte, aber sie redet mit unterschiedlichen Lauten in allen Höhen und Tiefen. Sie kommentiert (fast) alles, was wir sagen und nimmt so an unseren Unterhaltungen teil und teilt sich auch selbst mit. Dabei ist sie sehr überzeugend und hingebungsvoll. Manchmal habe ich das Gefühl ich unterhalte mich mit einer Erwachsenen in einer mir unbekannten Sprache. :-) Aber irgendwie verstehen wir uns trotzdem.

Ja, sie macht mich glücklich. Sie bringt mich mit ihrer Herzlichkeit und Gutmütigkeit zum Staunen. Sie liebt ein harmonisches Umfeld, merkt sie, dass Spannungen in der Luft sind, ist sie sehr darauf bedacht, Frieden zu schaffen. Dieses Harmoniebedürfnis kann ich sehr stark nachempfinden. Sich immer mit allem und jedem gut stellen zu wollen. Nur, dass ich als Friedensstifter bisher nicht besonders glänzte. Vielleicht kann ich ja in dem Bezug noch von ihr lernen? Ich habe das Gefühl, sie ist in punkto Empathie vielen Erwachsenen bereits weit voraus und ich versuche alles, damit sie in einem Umfeld aufwächst, indem sie sich wohl fühlen kann. Sie bringt meine bessere Hälfte zum Vorschein.


[Seit Januar hat sich einiges in der Entwicklung unserer bald Dreijährigen getan. Das dritte Lebensjahr - das Jahr der Trotzphasen hat uns wieder vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Vielleicht irgendwann mal mehr dazu. ;-)]

2015-10-13

Unabhängig von Abhängigkeiten

(Dieser Post ist eine Fortsetzung von "Aus Groß mach klein")

Immer diese Abhängigkeiten! Warum machen wir uns ständig abhängig? Warum ist unser Glück abhängig von jemand anderen?

Ich erlebe gerade wieder in meinem persönlichen Umfeld, wie in einer Partnerschaft einer den seelischen Mülleimer spielt und damit sein Leben verkürzt. Solche Beziehungen sind Gift. Das schlimme ist, dass man weder dem Partner damit hilft (auch wenn man es gut meint) noch sich selbst etwas Gutes tut. Mit dieser Haltung ist keinem geholfen. Ich sehe in solchen Momenten als einzigen Ausweg den Abstand, den viele aber nicht oder viel zu spät (gezwungenermaßen) wählen.

Wir können Denkanstöße liefern aber Veränderung kann nur von innen, aus uns selbst heraus, geschehen.

Es ist wie mit dem Trinker oder dem Raucher. Man muss eine Veränderung wollen. Jemand der sagt, ich habe es so oft versucht und nicht geschafft, der hat es nicht ausreichend gewollt. Manchmal bedarf es extremeren Maßnahmen. Raus aus dem gewohnten Umfeld. Luftveränderung. Damit eine Veränderung stattfinden kann. Manchmal funktioniert auch das nicht und man muss erst alles verlieren, um wieder zu sich zu finden. Manche erleben nie das Erwachen.

Es liegt nicht an mir. Es liegt daran welche Prioritäten jemand sich setzt, jetzt, zu diesem Zeitpunkt.

Die Zeit ist einfach zu schade, um sie ewig mit Trauer und Schmerz zu verbringen.
Deshalb muss es mir doch nicht schlecht gehen. Ich schenke jemand anderem meine Aufmerksamkeit. Mir. Jetzt bin ich achtsam. Ich tue, was mir gut tut und hefte mich nicht an jemand anderen. Mein Wohlsein ist nicht abhängig von einer anderen Person, sondern wie ich mit mir selbst umgehe. Nur so, kommt das Gute auch zurück. Und schon wieder bin ich beim Thema Selbstliebe.

Du bist viel anziehender für jemanden, wenn du dich in Zurückhaltung übst.

Bin ich für das Glück eines anderen verantwortlich? Nein. Jeder ist seines Glückes Schmied. Ich glaube daran. Nur wenn man selbst an sich arbeitet, den "Popo" (in gewohnter Kindersprache) hochkriegt, kann etwas passieren. Zwar kann ich unterstützend wirken aber jeder muss selbst offen sein für Veränderung und sein ganz persönliches Glück. So viel Egoismus darf sein! :-)

Aus Groß mach klein

Plötzlicher Unfrieden. Stimmungstornado. Dinge auf sich beziehen.

Warum reagiert derjenige so oder so? Was habe ich vielleicht gemacht, was ihn/sie verärgert hat oder in diese oder jene Stimmung gebracht hat? Was kann ich für ihn oder sie tun?

Wir HSPs ertragen den plötzlichen Unfrieden nicht und wollen ihn beseitigen. Dabei beachten wir häufig nicht, dass wir uns damit eher schaden und wir uns sehr gut überlegen sollten, wie viel Energie wir für den Frieden anderer aufwenden wollen.

Viel wichtiger ist: Was kann ich für MICH in dieser Situation tun? Warum muss ICH darunter leiden?

Meine Erfahrung zeigt:

1. Oft steckt hinter einem Verhalten nichts "Großes". Wir machen es nur groß, weil wir uns in etwas hineinsteigern.

2. Wir sind nicht unbedingt an der Laune des anderen Schuld. Vielleicht hatte dieser einfach einen schlechten Tag, nen Furz quer sitzen oder ihm ist einfach langweilig und er hat nichts besseres zu tun als uns den Tag madig zu machen. Soweit muss es aber nicht kommen, wenn wir rechtzeitig die Notbremse ziehen!

3. Wenn es zu arg wird und nichts hilft. Einfach stehen lassen. Ignorieren. Dann gibt man demjenigen keine neue Nahrung. Es klingt vielleicht egoistisch, wenn ich mich vom "Miesmacher" entferne aber, es hilft doch nicht, wenn ich bleibe und Mülleimer spiele. Müll schlucken ist ungesund. Für unsere liebe Seele und ich sehe nicht ein, warum ich mich mit jemanden immer und immer wieder abgeben soll, wenn derjenige mich wie Dreck behandelt. In dem Moment, wo ich dieser Person Aufmerksamkeit schenke, bin ich nicht achtsam mit mir selbst.

Fortsetzung folgt...