2014-12-30

Die Sinnfrage

Suchst du auch häufig nach dem Sinn im Leben? In dem, was dich umgibt und in Dingen, die du erlebt hast? Die Sinnsuche im Leben ist bei uns Hochsensiblen vielleicht noch bedeutsamer, als bei anderen Menschen. Warum passiert etwas? Hätte ich es beeinflussen können? Was kann ich daraus machen? Auch wenn ich nicht gleich die Botschaft hinter einem Ereignis verstehe, so suche ich doch danach und werde auch im Laufe meines Lebens immer wieder fündig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich nie aufgebe, die Herausforderung annehme und nicht im Selbstmitleid versinke. Es ist ein bisschen wie ein Puzzlespiel. Je mehr Teile ich finde, desto mehr fügt es sich (mein Leben) als ein Gesamtbild zusammen. Das macht für mich Sinn. Damit kann ich leben. Höhen und Tiefen gehören dazu. Als mich vor ein paar Jahren ein Schicksalsschlag traf das Leben auf eine harte Probe stellte (ich verlor mein Wunschkind) und ich zunächst gelähmt war vor Schmerz, stellte ich mir die Sinnfrage laut in Gegenwart eines anderen: "Warum ist das passiert? Was ist der Sinn dieses Geschehens?" Und ich bekam als Antwort einfach nur: "Vielleicht gibt es keinen Sinn." Das haute mich glatt um. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht! Das kam für mich gar nicht in Frage. Ich erkläre auch warum. Ich habe mir früher darüber nie so die Gedanken gemacht, aber heute glaube ich, dass erst wenn wir suchen, lernen können. D.h. wenn ich das Ereignis nicht hinterfrage, dann kann ich mich auch nicht weiterentwickeln, oder? Es einfach als Schicksalsschlag hinzunehmen, ohne es weiter zu ergründen, geht für mich nicht. Für mich soll das Leben -mein Leben- Sinn machen. Die Sinnfrage ist nicht aus meinem Leben wegzudenken. Ich rede jetzt nicht davon, ob es Sinn macht, dass ich mir morgens beim Frühstück auf mein T-Shirt gekleckert habe. Ich rede von einschneidenden und bewegenden Erlebnissen im Leben. Solche, die das Leben in gewisse Bahnen lenken (können). Je nachdem, was wir auch selbst daraus machen. Für mich ist es so: Wenn ich nicht hinterfrage, lerne ich nicht dazu und lerne ich nicht, entwickel ich mich nicht weiter, mache womöglich immer wieder die gleichen Fehler im Leben, aber ich komme nicht darauf, weil ich mir ja nicht die Sinnfrage stelle bzw mir einfach nicht ausreichend Gedanken mache, was dahinter stecken könnte (auch z.B. hinter dem Verhalten einer Person). Für mich ist die Klärung der Sinnfrage und das viele und intensive Nachdenken über das Leben und wie alles zusammenhängt wichtig, um verarbeiten und mich weiterentwickeln zu können. Zumindest, solange ich mich nicht in einer Gedankenspirale befinde! Mehr dazu vielleicht ein anderes Mal.

Noch etwas. Wenn ich lebe, wie ich leben möchte, es sich richtig anfühlt, das Herz ja sagt, dann mache ich Sinn, auch wenn das für andere vielleicht keinen Sinn macht. In diesem Sinne: Gebe deinem Leben deinen Sinn!

Wie siehst du das? Stellst du dir oft die Sinnfrage im Leben? Warum ja oder warum nein?

Der Artikel HSPs and Finding Meaning in Life hat mich dazu bewegt einen Artikel zur Sinnfrage zu schreiben.

2014-12-28

Auftanken

Wie machst du das als HSP?

Erschöpft, überreizt, ausgelaugt. Die Sinne brauchen einfach eine Pause! So geht es mir täglich.

Als HSP müss(t)en wir uns öfter zurückziehen (können). Ich schreibe das bewusst so, weil es leider oft schwer realisierbar ist. Wir nehmen weiter Reize auf, obwohl wir schon längst voll sind. Unser Fass läuft schneller über als bei normal Sensiblen, weil wir mehr Reize wahrnehmen.

Was mache ich dann? Auftanken. Wie?

Das ist bei mir situationsabhängig. Ich habe gelernt, jede noch so kleine Lücke im Alltag "wahrzunehmen", d.h. sie bewusst zum Auftanken zu nutzen. Sei es mit Bewegung in der Natur, am Computer, beim Schreiben oder Musik hören. Hauptsache es ist ruhig um mich herum bzw. ich kann mich einfach nur auf diese eine Sache konzentrieren. Habe ich noch Umgebungsgeräusche, die mich stören oder ablenken, nehme ich Kopfhörer und höre dazu angenehme Musik, damit ich ganz bei mir sein kann. Schon eine halbe Stunde wirkt Wunder. Nach einer Stunde ist mein Tank wieder ziemlich voll und ich fühle mich erfrischt. Dann kann es weitergehen im Alltag. Fehlt mir diese Pause und ich habe die erholsame Stunde nicht, bin ich irgendwann (meist nachmittags) sehr gereizt und werde zum Schluss sogar aggressiv. Zum Schluss platzt es aus mir heraus und ich kann sehr laut werden. Dann weiß ich: Grenze bei weitem überschritten!!! Nicht, dass ich das nicht schon vorher gemerkt hätte, es kündigt sich durch ein stetig anwachsendes Gefühl des Unwohlseins, nicht mehr zuhören Wollens und Fluchtgedanken an. Doch so gerne ich wollte, ich kann nicht immer einfach alles stehen lassen und meinen Bedürfnissen nachgehen. Aber ich versuche mir zunehmend diese kleinen Pausen über den Tag verteilt zu nehmen. Damit ist mir geholfen. Der Idealzustand wäre mehrere Stunden nur für mich allein. Manchmal gelingt das, meist aber nur unter Einbuße von Schlaf.

Wie tankst du auf? Wie oft gelingt es dir, die für dich notwendigen Pausen zu nehmen?


Dieser Eintrag ist gewissermaßen eine Fortsetzung zu meinem Artikel Umgang mit schneller Überreizung.

Muttersein

Nachdem ich in letzter Zeit einige Blogs zum Thema Muttersein und das Leben mit Kindern gelesen habe (von HSP und nicht HSP), möchte ich nun noch einmal nach meinem Artikel letztes Jahr Zeit für mich - als Mutter und HSP etwas im Bezug auf das Muttersein loswerden. Ich weise ausdrücklich daraufhin, dass ich im Folgenden meine persönlichen Eindrücke wiedergebe.

Heutzutage muss man sich ja schon fast entschuldigen bzw. erklären, wenn man "nur" Mutter ist. Ist die moderne Frau heute ja ein Multitalent! (Achtung Ironie!) Das Vorzeigemodell macht erst Karriere, wirft dann so nebenbei ein bis zwei Kinder und widmet sich ein paar Wochen nach der Geburt gleich wieder dem Arbeitgeber statt dem Kind. Managt aber offiziell beides mit Bravur! Spätestens, wenn das Kind ein Jahr alt jung ist, wird's Zeit für eine Ganztagsbetreuung. Weint das Kind viel, ist es ein Problemkind, auch wenn es nur zur Mama will. Ist das so schwer zu verstehen? Für einen Erwachsenen scheinbar. Wir müssen in dieser Gesellschaft funktionieren und darunter leiden tun die Kinder, oder etwa nicht? Nein, hören tut man nur die "armen" Eltern. Was sie für ein schwieriges Kind haben, wie sehr sie unter Schlafentzug leiden und wie viel Geduld sie für ihre Kinder aufbringen müssen, wie sehr sie ihrer Freiheit beraubt werden mit einem Kind. Hallo?! Den kürzeren dabei ziehen doch wohl unsere Kinder oder? Wie fühlt es sich wohl an, wenn man jeden Tag zu spüren bekommt, dass man eigentlich nur ein Klotz am Bein ist? Wenn man Nähe möchte, aber die einzige Nähe, die man als Einjähriges spürt, ein Kuscheltier im Bettchen ist? Schrecklich allein gelassen oder? Ist es da verwunderlich, dass unsere Kinder verhaltensauffällig werden? Aber wir lieben sie doch! Ja, wir lieben sie. Aber nur in Raten. Wir wollen nicht mehr zu 100% für sie da sein. Dafür ist uns unser eigenes Leben zu wichtig! Nur Muttersein ist heute nicht mehr "in".  Wie du bist nur Mutter? Ja, ich hatte ein Leben vor der Geburt und eins nach der Geburt. Der Unterschied ist, dass ich nun nicht mehr ausschließlich für mich verantwortlich bin und die Wahrheit ist, dass Muttersein in den ersten Jahren bedeutet, dass ich für mich zurückstecken muss, wenn es meinem Kind gut gehen soll. Es ist doch nicht für immer! Es ist doch noch so klein. So unbeholfen. Dann schenke ich dem kleinen Wesen eben einen Teil meines Lebens und wenn es mehrere Jahre sind. Mich erfüllt dieser Gedanke, denn ich glaube fest daran, dass meine Hingabe als Mutter mir mehr geben kann, als es ein Job jemals könnte. Ein Job ist ersetzbar. Mein Kind nicht. Ist die Anfangszeit gelaufen, kommt sie nicht zurück. Verursachte Schäden sind irreversibel, sie können später nur noch gelindert werden. Ich erwarte nicht, dass jemand meine Ansicht teilt. Jeder muss für sich entscheiden, wie er leben möchte. Ich finde nur, man sollte sich nicht zu sehr vom gesellschaftlichen Vorleben beeinflussen lassen, sondern das tun, was sich für einen richtig anfühlt. Für mich, ist das Muttersein eine Erfüllung, wie ich sie mir nie erträumt hätte, denn ich wollte bis vor wenigen Jahren nie Mutter werden. Dass mein Leben so eine Wendung nehmen könnte, hätte ich nie gedacht. Ohne Frage ist das Muttersein eine der größten Herausforderungen, kann aber gleichzeitig die Erfüllung des Lebens sein.

Wie erlebst du das Muttersein? Was bedeutet es für dich Mutter zu sein?

2014-12-20

Ich bin anders und das ist gut so!

Seit Geburt meiner Tochter bin ich am überlegen, ob sie auch hochsensibel ist. Manchmal denke ich ja, dann weiß ich es nicht oder denke nein. Vielleicht kommt es daher, dass ich sie zu sehr mit meinen Merkmalen vergleiche, dabei kann sich Hochsensibilität ja unterschiedlich beim Menschen äußern je nach Charakter, Vergangenheit, Entwicklungsstand und welche Sinne besonders ausgeprägt sind. Gestern dann stieß ich auf den Artikel Autonome Kinder im Blog Frühlingskindermama und ich fand so viele Parallelen zum Wesen meiner Tochter, dass ich dachte: "Das ist sie!" So wie es mir ging, als ich vor knapp drei Jahren von Hochsensibilität erfuhr und dachte: "Das bin ich!" Dann fragte ich mich, kann es beides auf einmal geben? Also, das ein Kind autonom und hochsensibel ist? Ich weiß es nicht. Daraufhin startete ich eine Diskussion im Blogeintrag. Ich finde das Thema hochinteressant und würde gerne mehr Erfahrungsberichte von anderen Bloglesern hören. Vielleicht kann man bisher aber auch nur Vermutungen anstellen, weil es noch zu wenige Studien (wenn überhaupt) und Austausch darüber gibt.
Fest steht jedenfalls, dass egal ob autonome oder hochsensible Kinder oder auch beides, man muss sich darauf einstellen, dass sie anders sind, als der größere Prozentanteil der Kinder und dass sie einen anderen Umgang brauchen. Es ist ein Drahtseilakt zwischen genügend Freiraum lassen und Erziehung Wegleitung. Ich glaube wichtig ist, dass man sich für ihre Bedürfnisse Zeit nimmt, die Bereitschaft sie verstehen zu wollen mitbringt und ihre Andersartigkeit einfach annimmt ohne sie zu kritisieren, bewerten oder gar eindämmen zu wollen. Schlicht zu akzeptieren wie sie sind. Aber ist das nicht auch in der Erwachsenenwelt so, dass uns damit geholfen wäre, wenn wir mehr leben und leben lassen ohne uns ständig einzumischen und maßregeln oder verändern zu wollen? Es lebe das Anderssein!

2014-12-07

Dog Personality Research

Ja, ganz richtig, es geht um die Erforschung der Persönlichkeit deines Hundes.

Im letzten Newsletter von Elaine Aron "Ten Opportunities for HSPs" wurde auf ein Forschungsprojekt aufmerksam gemacht, das die Ausprägung bestimmter Persönlichkeitsmerkmale bei Hunden untersucht.

Teilnehmen können alle Hunde ob hochsensibel oder nicht. Das Forschungsprojekt wird von einer Tierärztin, die selbst eine HSP ist, durchgeführt.

Teilnehmen kann man an dem Forschungsprojekt, indem man einen Online-Fragebogen ausfüllt.

Weitersagen ist ausdrücklich erwünscht!

2014-11-15

HS angeboren oder anerzogen?

Immer wieder stelle ich mir die Frage. Bin ich hochsensibel geboren oder wurde ich im Laufe der Jahre, während meiner Kindheit und in meinen Jugendjahren, dazu gemacht? Eigentlich denke ich nein zu letzterem, weil ich ja gewisse Fähigkeiten bereits angeboren hatte wie z.B. meine feine Nase, mein empfindsames Gehör oder ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Ich versuche mich daran zurückzuerinnern, was für ein Kind ich war. War ich speziell empfindsam? Fiel ich auf, verglichen mit anderen Kindern? Nein, ich kann mich nicht daran erinnern. Weder fiel ich speziell negativ noch positiv auf. Ich fiel eigentlich gar nicht großartig auf. Ich stellte mich auch nie bewusst in den Vordergrund, sondern blieb lieber unentdeckt. Doch manchmal, wenn ich mich ungerecht behandelt fühlte, dann machte ich meinem Missmut Luft. Dann fiel ich auf, natürlich negativ. Es ist oft so. Himmel hochjauchzen oder zu Tode getrübt. Gefällt mir eine Sache, setze ich mich voll dafür ein, gefällt mir etwas nicht, wende ich mich davon vehement ab. Aber zurück zu meiner eigentlichen Frage. Ist meine HS angeboren oder anerzogen? Meine Kindheit in meinem Elternhaus war schwierig. Psychische aber auch physische Gewalt, viel Unverständnis, wenig Liebe & Zuneigung. Damit hätte jedes Kind Schwierigkeiten, ob hochsensibel oder nicht. Das weiß ich. Jedes Kind reagiert anders auf Liebesentzug. Jeder Erwachsene lernt einen anderen Umgang mit dem Erlebten. Meine Frage bleibt: haben mich meine Lebensumstände zu einem hochsensiblen Menschen gemacht? (Wenn ja, könnten günstige Lebensumstände mich wieder zu einem normal sensiblen Menschen machen oder ist das irreversibel?) Meine Antwort liegt wohl in der Kindheit. Ich frage weiter. Habe ich als Kind auch schon manchmal in den Augen meines Umfeldes "überreagiert"? Ja. Phasenweise war ich extrem anhänglich, extrem aufmüpfig, extrem empfindlich oder extrem reflektiert. Ist das ein Zeichen von HS oder ist es einfach nur meine Art? Ab wann ist man hochsensibel?

2014-10-26

Feinheiten oder Kleinigkeiten?

Heute geht es um das Wahrnehmen von Feinheiten oder "Kleinigkeiten", die andere Leute entweder übersehen oder gar nicht weiter beachten. Da geht es zum Beispiel um den Motorradfahrer, der uns im Auto überholt und den ich wenig später an einer Ampel wiedererkenne, weil ich mir z.B. gemerkt habe, welche Farbe seine Jacke hatte. Ich beachte ihn, während mein Nachbar ihn "übersieht" bzw. einfach nicht richtig hinsieht. Für ihn könnte es auch ein anderer Fahrer sein. Wenn ich in einen Raum gehe, sind meine Sinne wach für z.B. einen bestimmten Geruch, der mir sofort auffällt oder ein Bild, das leicht schief hängt (und mich ungemein stört). Als Kind, so erzählte mir meine Oma, habe ich einmal gesagt, dass es in der Wohnung ihres Freundes nach Rauch riecht. Sie meinte daraufhin, dass aber niemand in der Wohnung geraucht hätte und auch ihr Freund nicht rauchte. Nach vielem Suchen stellte sich heraus, dass ein Jacket, was ihr Freund vor ein paar Wochen getragen hatte, nach Rauch roch, weil er damit in einer Kneipe gewesen war. Ich roch das in der ganzen Wohnung.
Ich mag alles für andere Gaumen "zu dünn". Ein Beutel Tee pro Tasse ist mir viel zu stark. Ein Beutel auf eine Kanne genau richtig.
Wenn jmd etwas an sich verändert, z.B. andere Ohrringe trägt, fällt mir das gleich auf. An der Tonart merke ich, wie mir jmd gesonnen ist oder in welcher Stimmung sich jmd befindet.
Meine Theorie ist: eben weil ich so viele "Kleinigkeiten" im Alltag wahrnehme, fühle ich mich schneller überreizt als andere normal sensible Menschen. Darin liegt sicher auch die Ursache, warum ich am Ende des Tages früher das Feld verlasse und mich nach einem stillen, ruhigen Ort sehne, an dem ich einfach abschalten kann, ohne Reize wie z.B. Bildschirmflimmern und Geräusche.

2014-10-02

Stimmungen anderer empfinden

Manchmal ist das sooo anstrengend! Kennt ihr das auch? Ihr trefft jemanden und fühlt sofort die Stimmung des anderen. Ob derjenige gut drauf ist oder schlecht, ob er mir gegenüber offen oder ablehnend ist, ob er ehrlich zu mir ist oder nicht. Manchmal möchte ich dann schon gar nicht mehr etwas mit demjenigen zu tun haben, obwohl ich ihn nur kurz gesehen bzw. gesprochen habe.
Wenn ich gut gelaunt bin und Energie habe, dann kann ich damit umgehen. Sind meine Reserven aber aufgebraucht und ich bin erschöpft, dann kann mich eine negative Stimmung richtig herunterziehen. Mein Stimmungsbarometer ist dann auf dem Nullpunkt und ich glaube nicht, dass mir dann noch jemand begegnen möchte außer er hat viel Einfühlungsvermögen und Geduld für mich übrig. Dieser Zustand kann mehrere Stunden andauern, manchmal sogar Tage bis ich mich davon komplett erholt habe. Das ist schlimm, ich weiß und es ist so kräftezehrend! Erst bin ich entweder verletzt oder wütend auf den Menschen, dann auf mich, dass ich mich davon so beeinflussen lasse. Aber kann ich etwas dafür? Kann der andere etwas dafür? Nein. Ich glaube, ich muss in mir stabiler werden, ausgeglichener, damit ich solche Stimmungstiefs besser verarbeiten kann. Ich sprach jetzt von negativen Stimmungen. Begegne ich sehr positiven Stimmungen, so wirkt sich das ähnlich intensiv und lange aus, nur eben im positiven Sinne. Dann kann ich richtig "high" sein, weil ich mich über eine einfache Geste (die Intention, die dahinter steckt, macht's!) freue oder ein intensives Gespräch noch lange nachklingt.

2014-09-23

Harmonie

Harmonie. Ein schönes deutsches Wort. So schön wie die Eigenschaft an sich. Obwohl das Bestreben danach so groß ist (v.a. als HSP), so ist dieses Ziel doch oft so schwer zu erreichen. Warum? Weil ich fühle! Die Stimmungen anderer, unterschwellige Bemerkungen, Blicke usw. Ich bin ein impulsiver Mensch. Sage, was ich denke und nicht das, was andere vielleicht hören wollen. Obwohl ich bereits gelernt habe, in welchen Situationen ich reden kann und in welchen ich lieber still bin oder zustimmend nicke, obgleich ich vielleicht etwas anderes denke. Des Friedens willen. Ich bin da auch etwas gelassener geworden, solange ich nicht das Gefühl habe ungerecht behandelt zu werden. Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Ich erwähnte dies bereits bei den Eigenschaften einer HSP.
Andere Faktoren wie Überreizung, Pedanterie oder intensives Empfinden von Ablehnung oder Heuchelei erschweren natürlich auch das Erreichen von Harmonie.
Ich möchte mich nur mit Menschen umgeben, die mir freundlich gestimmt sind. Das ist aber nicht immer möglich. Was also tun, wenn man auf Ablehnung stößt oder sich überfordert fühlt? Cool bleiben und einen gewissen Abstand waren, der als Schutz dient. D.h. sich nicht im Strudel aufkommender Gefühle verlieren. Wenn es mir nicht möglich ist, ein klärendes Gespräch zu führen, weil ich zu überwältigt von Gefühlen bin, dann nehme ich besser Abstand. Wenn ich meine Gefühle im Griff habe und relativ cool bin, dann kann auch viel an mir abprallen oder ich gebe kontra. Ich habe mir im Laufe der Zeit auch angewöhnt, mich nicht mehr jedem Menschen hinzugeben und mein Herz zu öffnen. Nicht jeder hat meine Aufmerksamkeit verdient. Ich gebe nur so viel, wie ich entbehren kann ohne mich selbst zu vernachlässigen. Nehme nur so viel, wie ich aufnehmen kann.

Um in Harmonie mit anderen Menschen leben zu können bedarf es aber vor allem erst einmal der Harmonie in mir selbst. Ich muss mit mir und meinem Leben zufrieden sein, damit ich in Harmonie leben kann.

Kennt ihr auch dieses Bestreben nach absoluter Harmonie? Wie oft erreicht ihr diesen Zustand?

Zum Thema Harmonie und gewaltfreie Kommunikation habe ich vor etwas längerer Zeit bereits einen Artikel in diesem Blog verfasst.



2014-09-08

Hang zum Perfektionismus

Ich weiß nicht, ob das ein typisches Problem aller HSP ist. Aber es tritt auch bei der Beschreibung der Eigenschaften einer HSP auf. Das Streben nach Perfektion. Bei mir definitiv ein Thema. Ich weiß aber nicht, ob es bei mir nur mit meiner Besonderheit HSP zu sein zusammenhängt oder damit in welchem Umfeld ich aufwuchs. Fakt ist, dass ich mich mit dem Hang zum Perfektionismus ziemlich bremsen kann. Es ist eine Versagensangst. Alles muss fehlerfrei sein. Erwarte ich das auch von anderen? Jein. Ich glaube, ich bin mein größter Kritiker. Aber meine Erwartungen an den anderen sind auch hoch. Schnell bin ich enttäuscht oder verunsichert. Warum ist noch keine Rückmeldung gekommen? Habe ich etwas falsch gemacht? Habe ich etwas übersehen? Wenn mich dann noch jemand kritisiert oder tadelt, ist die Jalousie schnell unten. Ich habe schon öfter zu hören bekommen, dass ich keine Kritik vertrage. Das stimmt. Ich bin zwar selbstkritisch, aber eine Doppelbelastung ist unerträglich und zerschmettert mein Selbstbewusstsein. Daran muss ich definitiv arbeiten, denn es hält mich unnötig auf. Ich sage mir, wäre der Mensch perfekt, wäre das Leben langweilig. So richtig überzeugen tut mich das zwar nicht, aber ich muss vielleicht lernen meine Ansprüche etwas herunterzuschrauben, schneller ein Ende zu finden und mir zu sagen. "Es ist gut so."

Es geht mir übrigens auch beim Schreiben so. Oft feile ich an einem Text so lange herum, dass ich in der Zeit längst einen komplett neuen hätte schreiben können. Diesmal ging es aber. ;-)

2014-08-28

Sensitive - Der Trailer

Wusstest du schon, dass ein Dokufilm zum Thema Hochsensibilität in Arbeit ist? Der Trailer zu Sensitive - The Untold Story ist bereits fertig. Unterstützt wird der Film u.a. von Elaine Aron, der Pionierin auf dem Gebiet Hochsensibilität. Der Trailer wurde bereits durch Spenden finanziert. Das Ziel ist für den Film noch einmal mindestens 50.000 USD (siehe Kickstarter) aufzubringen.
Der Film soll auch in anderen Sprachen erscheinen, wenn genügend Mittel dafür aufgetrieben werden können. 

Mehr Infos zum Film findest du auf www.sensitivethemovie.com

2014-08-21

Umgang mit schneller Überreizung

Es gibt viele Herausforderungen im Alltag einer HSP. Schnelle Überreizung zum Beispiel. Schnell überreizt bin ich in vielerlei Hinsicht. In einem meiner vorherigen Blogartikel, in dem ich die Eigenschaften einer HSP anspreche, erwähne ich u.a. schnelle akustische Überreizung. Besonders hart trifft mich diese, wenn ein lautes Geräusch plötzlich und unerwartet auftritt. Zum Beispiel Hundegebell direkt neben mir ist manchmal sehr unangenehm. Manchmal so arg, dass ich mich entfernen muss. Oder wenn jemand Besteck auf den Boden fallen lässt oder mit dem Besteck auf dem Teller klimpert. Manchmal reicht es schon, wenn derjenige nur isst. Wie arg ich dies unangenehm wahrnehme hängt von meinem Allgemeinbefinden ab und wie vielen Reizen ich an dem Tag bereits ausgesetzt wurde. Mal ertrage ich eine akustische Reizung eine Zeit lang, auch wenn sie unangenehm ist, manchmal muss ich mich von der Geräuschquelle entfernen. Manchmal muss ich mir sogar die Ohren zuhalten, wenn z.B. eine Sirene (Polizei, Krankenwagen, o.ä.) an mir vorbeifährt.
Aber nicht nur akustisch sind meine Ohren schnell überreizt. Ich reagiere auch sehr empfindsam auf kalte Luft. Dann bekomme ich schnell unerträgliche Ohrenschmerzen. Es reicht schon, wenn die Temperatur noch weit im Plusbereich liegt und eine leichte Brise weht. Deshalb habe ich mein Stirnband immer griffbereit. Ansonsten muss ich mir einen Schnipsel vom Taschentuch oder was gerade da ist in die Ohren stopfen.
Bei Babygeschrei ist es natürlich schwierig einfach die Ohren zuzuhalten oder sich vom Ort des Geschehens zu entfernen, zumindest, wenn es sich um das eigene Kind handelt. ;-) Was also tun? Manchmal, wenn der Pegel der Überreizung schon stark fortgeschritten ist, ist das in der Tat nur schwer zu ertragen und bei mir äußert sich das dann so, dass ich merke, wie Aggression in mir aufsteigt. Ich möchte am liebsten zurück schreien, weil ich es nicht ertrage. Manchmal muss ich mich wirklich kurz zurückziehen, tief durchatmen, damit ich damit umgehen kann. Bin ich weniger erfolgreich, werde ich auch lauter, was den Weg zum akustischen Frieden nur noch verlängert. Auch wenn es schwer fällt "cool" zu bleiben, so bringt es doch am schnellsten den gewünschten Frieden. In solchen Situationen wachse ich über mich hinaus. Auch wenn es in mir schreit und brennt, so ertrage ich das Theater, bleibe locker oder verleihe der Situation evtl. noch eine gewisse Komik und schwupp, auf einmal ist wieder alles friedlich. Humor hilft hier oft.

Mich würde interessieren, wie gehst du mit Überreizung um?


2014-07-18

Bleib dir selbst treu


Ich weiß jetzt warum ich so bin wie ich bin. Das hilft mir ungemein. Ich muss nicht mehr ziellos umherlaufen und mir denken. Warum empfinde ich so? Was stimmt mit mir nicht? Das ist befreiend.

Ich habe vor einigen Jahren, noch lange bevor ich wusste, dass ich HSP bin, einen Text mit dem Titel Auf der Suche nach Einfachheit - Eine Reise ins Ich verfasst. Es ist ein Dokument über meine Gefühls- und Gedankenwelt und die Erkenntnisse, die ich im Laufe der Jahre gewonnen habe. Ich habe es innerhalb kürzester Zeit geschrieben. Die Tastatur klimperte, was das Zeug hielt, bis ich auf einmal fertig war und alles, was mir auf der Seele lag, gesagt war. Das war auch befreiend.

Ich glaube darum geht es. Zu erzählen, was einen bewegt und wenn der Zuhörer nur ein Stück Papier oder der Bildschirm ist. Zu akzeptieren, wer man ist. Sich selbst treu bleiben. Froh zu sein darüber, wer man ist und sich nicht verstecken oder verstellen müssen.

Hier noch ein kleiner Auszug aus meinem Schriftstück.


Dieses Schriftstück ist eine Reise. Eine Reise durch meine Gedanken- und Gefühlswelt.
Ständig auf der Suche. Auf der Suche nach innerer Ruhe und nach Geborgenheit. Auf der
Suche nach meinem Platz in der Gesellschaft, die mich umgibt. Verloren in einer vom
Konsum gesteuerten Gesellschaft, drohe ich im Strudel des Leistungsdrucks zu ersticken. Tief
in mir Selbstzweifel und die Sehnsucht nach Einfachheit im Leben. Die Frage lautet nicht
primär, ob ich noch meinen Platz in dieser Welt finde, sondern meinen Platz in der heutigen
Gesellschaft.

Familiar - Ein Song über Hochsensibilität

Ich habe gerade den Song "Familiar" von Rebekka Adam gehört und den übersetzten Text dazu gelesen. Danach dachte ich, ich möchte den Link unbedingt auf meinem Blog mit euch teilen. Aufmerksam geworden auf den Song bin ich über die Seite hochsensibel.org.


Danach kamen mir folgende Gedanken... (siehe nächster Blogeintrag)