2017-09-30

Wie die Zugvögel...

...reisen wir gen Süden. In wärmere Gefilde. Das Herbstkleid schmückt die Bäume und so schön es anzusehen ist, so weiß jeder, der Winter steht direkt vor der Tür. Nachts erreicht das Thermometer hier oben in Nordschweden bereits Minustemperaturen und das Wasser in den Seen kann jederzeit zu Eis erstarren. Nachts legt sich ein sanfter nass-kalter Nebel über die Landschaft. An manchen Tagen hängt er den ganzen Tag zwischen den Bäumen und die tiefstehende Sonne schafft es nicht mehr ihn aufzulösen.



Viele Jahre haben wir dieses Geschehen beobachtet. Den Wechsel der Jahreszeiten. Kurze, oft verregnete und mückenreiche Sommer, die wenig beliebt sind bei der örtlichen Bevölkerung werden abgelöst von dem früh einsetzenden Herbst (ab Mitte August), der für ein paar Wochen alles zum Leuchten bringt. Die Jäger gehen in den Wald zur Elchjagd. Die Büsche hängen voller Beeren. Die Zuvögel kehren zurück auf ihrer Reise in den Süden. Unter ihnen die Kraniche und Singschwäne. Der erste Schnee fällt Ende September oder Anfang Oktober. Nun fällt die Natur für die nächsten 6-8 Monate in den Winterschlaf. Die Rentiere haben wieder ein schön dickes Fell und sind wohl genährt nach dem nahrhaften Sommer und Herbst. Die Bäume knacken bei stetig sinkenden Temperaturen und das Eis auf den Seen ächzt und knallt. Manchmal "singt" es auch, wenn das Eis Risse bildet. Die Landschaft wird in ein weißes Kleid gehüllt, ganz still und leise fallen die Flocken unentwegt bis sich eine dicke Schneeschicht gebildet hat. Die Polarnächte lassen nicht viel Tageslicht zu aber es kommt ein weiteres Licht hinzu. Das Polarlicht. Es schmückt den Polarnachthimmel in den tollsten Farben. Das Phänomen des Nordlichtes, das viele Menschen in den Norden lockt. Im März kommt die Sonne wieder über den Horizont und strahlt hell auf die schneebedeckte Landschaft. Das ist in Lappland die fünfte Jahreszeit. Der Frühlingswinter. Die Lieblingsjahreszeit der lokalen Bevölkerung. Alles zieht nach draußen mit Schneemobil oder auf Skiern. Das Eisangeln eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Bis in den Mai hinein dauert es bis der letzte Schnee verschwunden ist. Die Natur erscheint zunächst tot, überschwemmte Flüsse und Seen überall. Aber die Natur schafft es auf wundersame Weise innerhalb kürzester Zeit alles zum Grünen und Blühen zu bringen. Dank langen Mittsommernächten an denen es dann nicht mehr dunkel wird. Vier schneefreie Monate bis das Spektakel von neuem beginnt. Keine Frage, die Menschen, die hier oben wohnen, müssen den Winter mögen. Das haben wir auch viele Jahre getan. Die Ruhe genossen, saubere Luft eingeatmet, in der Natur gelebt.
Jetzt zieht es uns raus. Raus in die Welt. Szenenwechsel. Die Sinne stimulieren. Neue Eindrücke sammeln. Wärme tanken. Also folgen wir den Zugvögeln auf ihrer langen Reise gen Süden. Ins Abenteuer Leben.

2017-09-24

Small-Talk

Schon lange geistert dieses Thema immer mal in meinem Kopf herum aber irgendwie hab ich ihm nie einen eigenen Artikel gewidmet. Da ich mit dem Thema Small-Talk in den letzten Monaten verstärkt konfrontiert wurde, möchte ich es doch mal ansprechen. Gleich vorweg, Small-Talk ist nicht eine meiner Stärken. Small-Talk ist für viele Hochsensible eine echte Herausforderung. Aber man kann es auch lernen, wenn man sich darauf einlässt.

Früher gelang mir Small-Talk mal mehr mal weniger gut. Dann vermied ich ihn fast gänzlich, wodurch ich mich auch ziemlich abschottete. Dann lernte ich, dass er für mich zwar ein notwendiges Übel ist aber durchaus seine Berechtigung hat in der Kommunikation zwischen den Menschen. Heute ist Small-Talk immer noch eine Herausforderung für mich. Allerdings kann es manchmal auch Spaß machen! Das hängt natürlich von meinem Umfeld und meiner Stimmung ab. Es hängt aber auch davon ab, wie sehr ich mich darauf einlassen möchte. An manchen Tagen ist er mir zuwider und ich sehe einfach keinen Sinn darin mich über belangloses Zeug zu unterhalten. Alles viel zu oberflächlich! An anderen Tagen kann es die Stimmung auflockern, für viele Menschen scheint es oft wichtig, weil man sich austauscht oder Interesse an dem anderen Menschen zeigt. Oft wird es aber auch genutzt, um einfach Zeit tot zu schlagen (z.B. auf der Arbeit). Letzteres finde ich persönlich am schlimmsten. Beteiligt man sich nicht an einem Gespräch und mag es noch so belanglos sein, kann das beim Gegenüber als Desinteresse oder gar Ablehnung interpretiert werden und man wird als merkwürdig/unnahbar abgestempelt. Dass so ein "Gespräch" wirklich anstrengend für mich sein kann, wissen die anderen natürlich nicht, sie leben von diesem täglichen Austausch, der oft auch in Tratsch ausartet.

Nicht, dass man mich hier falsch versteht. Ich mag auch Austausch. Sehr gerne sogar. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, in deren Energiefeld ich mich wohl fühle oder anders ausgedrückt - wo die Chemie stimmt - und wo das Interesse echt ist (und nicht nur eine Höflichkeit). Ich unterhalte mich gerne über Lebensfragen, Gefühle oder persönliche Interessen. Also Dinge, die ich wichtig finde (Wetter, Essenstrends, wer gerade mit wem wie oft und der neueste Tratsch gehören nicht dazu!) und die im Small-Talk eigentlich nix zu suchen haben. Themen, die den meisten zu kompliziert sind oder über die sie sich nicht austauschen möchten oder nur in einem sehr engen Kreis. Das kann ich auch verstehen und respektiere ich auch. Mein Problem ist, dass ich, wenn ich merke, dass jemand nicht auf meiner Wellenlänge ist, kein gesteigertes Interesse habe mit demjenigen zu kommunizieren. Das resultiert darin, dass ich mich entweder gehörig anstrengen muss, um eine Konversation mit demjenigen zu führen oder aber mich von dieser Person bzw. den Personen distanziere bzw. mich nicht in ein Gespräch einklinke, also überwiegend schweige. Aber leider leider ist dieses Schweigen für viele auch nicht in Ordnung und sie sind dann unfreundlich oder behandeln einen als wäre man ein Außerirdischer. Sie respektieren also mein Verhalten nicht.

Nun habe ich ein paar Informationen zu dem Thema Small-Talk im Netz gefunden und habe herausgefunden, dass es vielleicht nicht nur meine Hochsensibilität ist, die Small-Talk oft als anstrengend oder sinnlos empfinden lässt, sondern zusätzlich auch ein kultureller Aspekt dahinter stecken kann. Je nach kultureller Herkunft kann es unterschiedliche Schwerpunkte bzw. Merkmale in einer Konversation geben. So ist der Deutsche z.B. meist sehr direkt in seinen Aussagen und redet nicht lange um den heißen Brei bzw. kommt gerne gleich zum Punkt und spart sich das sinnfreie Geschwafel drum herum, während in anderen kulturellen Kreisen Höflichkeitsfloskeln (egal wie aussagekräftig) das A und O sind (z.B. in den USA oder auch hier in Schweden). Small-Talk ist also nicht gleich Small-Talk.

Ich habe gelernt, dass Small-Talk wichtig für ein erstes Kennenlernen ist, für gute Stimmung sorgen kann und auch ein wichtiges Tool ist, um Verbindungen zu schaffen oder Aufrecht zu erhalten. Ist mir nicht danach aber ist es trotzdem wichtig (z.B. im Job), dann fasse ich mich dementsprechend kurz.

Mich würde interessieren: Wie steht ihr zu dem Thema? Wie wichtig ist euch Small-Talk? Mögt ihr ihn? Warum ja oder warum nein?

2017-01-27

Impulsen folgen

Ich lerne gerade. Wenn man Impulsen folgt, einer inneren Stimme, die genau weiß, was gerade das Richtige für einen ist, seinen Denkapparat dabei pausieren lässt, dann wird es gut. Woher kommt diese innere Weisheit? Woher weiß sie welcher Weg der richtige für mich ist?

Das Jahr ist noch jung. Gerade mal knapp einen Monat alt und trotzdem kommt es mir so vor, als wären schon mehrere Monate ins Land gezogen, wenn ich sehe, was alles in so kurzer Zeit geschehen ist.

Innerhalb weniger Wochen hat mein Lebensweg wieder eine komplett neue Richtung genommen. Die Zweifel und Unsicherheiten sind weg. Alles hat sich gefügt, wie es sich in keiner erfundenen Geschichte besser hätte fügen können. Alles macht wieder Sinn. Ich mache Sinn und das Beste ist, ich habe es selbst initiiert, habe den Ball ins Rollen gebracht und somit ist eins zum anderen gekommen. Entscheidung, neue Lebenssituation, neuer Job, neue Aufteilung, Reisepläne, glückliches Kind, glückliche Mutter!

Ich möchte mit diesem Artikel Mut machen. All denjenigen, die an sich und ihren Entscheidungen zweifeln. Wie fühlt es sich tief in dir drin an? Lass mal den Gedankenstrom versiegen und fühl nur in dich hinein. Lass die anderen weg. Streiche Gedankenfetzen wie ABER, WAS WENN, WIE, WARUM, WAS DENKT... Was fühlst du? Immer wenn wieder ein Gedanke auftaucht, schiebe ihn zur Seite und konzentriere dich wieder auf dich selbst. Zweifel nicht an der Echtheit deiner Gefühle. Lasse sie zu. Lasse sie zu Wort kommen und dir mitteilen, was sie dir sagen möchten. Kämpfe nicht gegen sie. Sie haben ihre Berechtigung. Alles, was in dir kommuniziert, möchte erhört werden und nicht übertönt durch den Wortschwall anderer oder deine Gedankenflut. Das macht dich nur unsicher.

Sei gut zu dir. Verschaffe deiner inneren Stimme Gehör, indem du dich ihr zuwendest und sie ernst nimmst. Schiebe die Zweifel deines Gehirns beiseite und vertraue deinem wirklichen Ich. Deinem Ursprung. Sei wieder du selbst und messe dich nicht an anderen. Lass dein Urvertrauen zurückkehren und Frieden in dir einkehren. Damit (er)schaffst du Selbstliebe und genau damit bist auch du selbst wieder fähig andere zu lieben. Du bist einfach du und ich bin ich. Zwei Paar Schuhe. Das, was sich für mich richtig anfühlt, ist für dich nicht unbedingt das Richtige und umgekehrt. Jeder ist einzigartig für sich. Darum geht es. Seinen eigenen Weg zu gehen und nicht in die Fußstapfen anderer zu treten.

2017-01-09

Gestörte Familienstrukturen

Ich hatte in letzter Zeit ein paar sehr bewegende Gespräche mit meinen Schwestern. Ich bin froh, dass wir uns gerade so nah sind. Dass wir über alles, das uns bewegt reden können. Das war nicht immer so. Über viele Jahre hatten wir uns ziemlich aus den Augen verloren. Jeder beschäftigt mit seinem Leben, seinen Problemen, seinem ganz persönlichen Drama. Gemeinsam haben wir, dass wir eine Menge Ballast mit uns herumschleppen. Vergangene Tragödien, die in uns weiterleben.

Es ist so traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass so viele Menschen leiden aufgrund ihrer Vergangenheit. Für mich ist jedoch nicht nur die Vergangenheit ausschlaggebend, sondern auch wie sehr uns die Vergangenheit auch in der Gegenwart einholt. Natürlicherweise möchte man den Kontakt zu Menschen vermeiden mit denen man schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Ich glaube mit die schlimmsten Tragödien finden in Familien statt. Da es die Menschen sind, denen wir für gewöhnlich am Nahsten stehen, verletzt es uns und können wir diesen Verletzungen auch kaum aus dem Weg gehen. Ein natürlicher Instinkt ist zu fliehen, wenn Gefahr droht. In einer Familienstruktur ist dies nur sehr eingeschränkt möglich und genau hier liegt die Tragödie, denn wir werden nicht nur Opfer, sondern auch Gefangene. Die Hoffnung, das diesmal alles anders ist, treibt uns immer wieder zu unserem Ursprung zurück. Es ist wie eine Sucht. Die Sehnsucht. Sehnsucht nach Liebe, Verständnis, Akzeptanz. Die Sehnsucht hält uns wie Gefangene.

Man sollte meinen, wenn man genügend schwierige Erfahrungen mit denselben Personen gemacht hat, lernt man daraus. Doch so einfach ist das nicht. Nur wenige können die alten Familienstrukturen wirklich konsequent meiden. Obwohl wir wissen, dass es uns schadet, begeben wir uns immer wieder in dieselbe Situation. Wir wiederholen sogar oft unbewusst die gleichen Strategien, obwohl sie uns zuwider sind. Wir haben es selbst so erfahren und geben es an die nächste Generation weiter.

All das macht uns krank. Wir sind nicht gut zu unseren Mitmenschen und noch weniger zu uns selbst. Aber wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. So geb ich die Hoffnung nie auf, dass irgendwann alles gut wird. Aber, ich habe gelernt, dass ich gut zu mir sein muss, weil ich sonst krank werde. Ich muss mir genau überlegen wie viel negative Energien ich aushalte. Die Dosis macht das Gift. Ich muss mich schützen, bevor ich mich in eine Negativwolke begebe, wenn es sich denn nicht vermeiden lässt. Ich muss bei mir bleiben, bei meinen Werten, an mich glauben und mich nicht vom Weg abbringen lassen. Diejenigen, die einen versuchen zu manipulieren, haben keinen inneren Frieden gefunden.

Warum ist es so schwer jemand anderen für seine Andersartigkeit gern zu haben? Warum sind wir so gefangen in einer Vorstellung wie ein Mensch sein sollte? Warum fällt es uns so schwer zu lieben?
An einer Weggabelung kann man immer zwei Wege wählen. Nach links oder rechts. Wegweiser erleichtern gewöhnlich die Wahl. Der eine Weg führt zu Akzeptanz, Verständnis und Liebe. Der andere führt in die Hölle. Highway to Hell.

Wie kann mir die Vergangenheit in der Gegenwart helfen? Wie kann ich von meinem Leid und das anderer lernen? Was kann ich für mich mitnehmen? Wenn ich mein Kind als meinen Lehrer betrachte, ermöglicht es mir die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie zeigt mir gerade, was sie braucht. Und im Prinzip sind unsere Bedürfnisse sehr ähnlich. Lange Zeit empfand ich oft Überforderung. Ich war in der Ernährerrolle und brauchte selber dringend Nahrung. Langsam lerne ich meine Energien anders zu fokussieren. Ich übe mich in Akzeptanz. Es ist wie es ist. Indem ich ihr die Aufmerksamkeit schenke, die sie braucht, nähre ich auch mein inneres Kind. Diese Visualisierung vereinfacht es für mich. Damit fange ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich muss nicht mehr sehnsüchtig warten, bis ich mich um mein inneres Kind kümmern kann, das eigentlich ständig zu kurz kommt und in mir motzt. Wenn ich es miteinbeziehe und es mitkuscheln, mitspielen und mitreden lasse, dann sind alle vereint. 💕
Klingt schräg aber erzeugt in mir ein wohliges Gefühl von Frieden.

2017-01-01

Identitätskrise (Ich sein)

In meinem Blogpost Zentrum der Achtsamkeit vor etwas über einem halben Jahr habe ich lauter Dinge aufgezählt, die mir wichtig sind. Mein Text dazu damals. "Hier möchte ich sein" passt gut. Im Moment klingt es fast wie eine nette Theorie. Vor ein paar Monaten stürzte ich mich in ein Abenteuer, das von so vielen Zweifeln umgeben war, die ich ständig versuchte auszublenden, ja zu ignorieren.

Es war schön mal wieder etwas für MICH zu tun. Ich war zwar viel unter Menschen, tat aber etwas ausschließlich für mich und war mein eigener Herr. Keiner der ständig meine Aufmerksamkeit verlangte. Keiner, der mir auf Schritt und Tritt folgte. Keiner, der mir auf die Finger guckte. Ich konnte mich frei bewegen. So frei es in einem vollgepackten Programm eben möglich ist. War dieser sehr arbeitsreiche und aufwendige Weg wirklich der einzige Weg, um aus dem Gefühl des gefangen seins auszubrechen?

Es ist wichtig etwas für mich zu machen. Das kommt viel zu kurz in der momentanen Familiensituation aber ist ein Haufen Arbeit die einzige Möglichkeit? Worum geht es hier eigentlich? Was ist mein Problem?

Ich sein.

Wer bin ich denn? Ich bin Anne. Ja, das ist mein Name. Und sonst? Was definiert mich? Was ist denn das, was mich ausmacht? Identitätskrise? Wie bin ich denn ich? Wie möchte ich sein?

Frei.

Bin ich frei ohne Verpflichtungen? Bin ich frei ohne Job oder Familie? Bin ich frei, wenn ich ans andere Ende der Welt fliege?

Das wäre schön.

Langsam wird mir bewusst. Freiheit kommt von innen. Ich bin in mir selbst gefangen. Aber warum? Was ist es, das mich lähmt und ausbremst?

Mein Gedankenkarussell.
Total verkopft, wie ein weiser Mann letzten Frühling zu mir sagte, als er mein Energiefeld wahrnahm.

Mir wird gerade bewusst. Ich bin noch weit entfernt vom einfach nur (ich) sein.

Ich gucke mir noch einmal mein Mindmap an. In der Mitte das Herz. Selbstliebe. Tu, was dir gut tut! Jeden Tag. Das mache ich mir jetzt zum Mantra. Mal seh'n ob's hilft! 💗

2016-12-08

Neuanfang

Was ist passiert? Es ist so still geworden hier. Ja, ich lebe noch. Ich lebe wieder. Ich habe mich quasi wiederbelebt. Hinaus in die Welt gewagt, die mir oft so bedrohlich erschien. Die Onlinewelt durfte ruhen. (Das hat sie natürlich nicht getan, aber bei mir hat sie sich doch auf ein Minimum beschränkt.)

Neuanfang. Das klingt so bahnbrechend. So "WOW", was hat es damit auf sich? Für mich persönlich ist es das sicher auch. Es ist aber nicht nur aufregend und schön. Es ist vor allem herausfordernd. Entwicklungsfördernd würde ich meinen. Jetzt erst richtig neugierig geworden? 😏

Ich habe vor ein paar Monaten mit etwas Neuem angefangen. Spontane Ideen sind bei mir meistens die Besten. Sie sind vielleicht "unüberlegt*" aber intuitiv. Das kann von Vorteil sein (bei mir jedenfalls), denn jedes Mal, wenn das Gehirn geschafft hat sich einzuschalten (dazwischen zu funken), ist es mir meist im Weg mit seinen unermüdlichen Abwägungen. Oft habe ich mir das Hirn zermartert, wie man so schön sagt, bis ich so gelähmt war, dass eine Entscheidung kaum mehr möglich war und wenn, dann definitiv keine aus dem Bauch heraus.

Immer wieder habe ich mich in meinem Leben gefragt, was der Sinn meines Daseins ist. Warum bin ich hier? Für andere? Für mich und meine Entwicklung? Macht alles Sinn? Mache ich Sinn? Hab ich so etwas wie eine Bestimmung (Berufung)? Ich kam mir verloren vor. Ich hatte das Gefühl zu mir selbst verloren. Dann wurde ich Mutter und mein Leben machte für mich eine ganze Menge mehr Sinn. Für mich ist es gleichzeitig das größte Glück und die größte Herausforderung in meinem bisherigen Leben.

Ich drücke gerade wieder die Schulbank. Diesmal ist aber alles anders. Ich meine nicht nur die äußeren Umstände wie eigene Familie, anderes Umfeld und Sprache sowie extrem komprimierter Inhalt. Ich habe diesmal wirklich das Gefühl. Ich lerne fürs Leben. Ethik, Physiologie & Psychologie, Pädagogik. Gesundheitspflege. Zusammenhänge verstehen. Alles Themen, die mich auch im privaten Leben seit Jahren beschäftigen, mit denen ich mich auseinandersetze und mit denen wir (ich) im täglichen Leben konfrontiert werde(n). Allgemeinwissen sozusagen. Und doch wissen viele so wenig darüber.

Neulich sah ich einen kleinen Bub, im Alter von etwa 6 Jahren ins Fernsehen rufen. "Wir sind alle gleich viel wert! Sei du selbst." Eine so einfache Message, die so viel aussagt.
Von einem Kind. Toll! Welch Selbstbewusstsein. Beneidenswert.

Das bringt mich aber auch immer wieder dahin zurück, dass das Umfeld in dem ich aufwuchs einfach nur krank war. Mich krank gemacht hat. Schade, dass mich das bis heute begleitet...UND belastet.

Das was war, ist nicht zu ändern. Das was kommt, kann ich beeinflussen. Mein Ziel ist es, das JETZT sein, für mich möglichst angenehm zu gestalten. Nicht zu viel nachzudenken, sprich Gehirnmarterei zu betreiben. Ich höre die Worte von Eckhart Tolle. "Lebe im Jetzt." Danke für die Erinnerung. Manchmal hat so ein Hirn auch wieder seine Vorteile. 😊



unüberlegt* = sprich bei mir: bis ins kleinste Detail geplant

2016-08-21

Einfach sein

Ich beobachte sie. Wie sie sich bewegt. Sie ist ganz sie selbst. Natürlich und unbeschwert. Tanzend bewegt sie sich durchs Leben. Macht Menschen glücklich. Einfach nur so durch ihr Sein...



...ich genieße diesen Augenblick...




2016-06-26

Wie schütze ich mich?

Heute ist ein tiefer Frieden in mir. Gestern ist für mich etwas sehr bahnbrechendes passiert. In mir war dieses Glücksgefühl. Glück darüber, dass das irdische Dasein nicht begrenzt sein muss. Ich setze mir Grenzen zu anderen Menschen aber bin mir selbst gegenüber grenzenlos achtsam. Mein Thema ist, mich zu schützen und trotzdem nicht komplett dicht zu machen. Das heißt, ich schütze mich vor negativen Energien, z.B. durch einen imaginären Schutzpanzer, ich stelle mich dann in einer Ritterrüstung vor oder in der Mitte einer energetisch geschützten Kugel, distanziere mich physisch von dem zerstörerischen Energiefeld und wende mich nur meinem inneren Kind zu. Beschütze es, umarme es und bin nur bei mir. Dabei stelle ich mir vor, wie ich auf das dreijährige Kind in mir aufpasse. Helfen dabei tut mir, dass meine Tochter gerade in dem Alter ist. Ich sehe, wie verletzlich ich zu dem Zeitpunkt bin (war) und das dieses Kind eine Menge Zuwendung braucht. Wenn ich ihm Beachtung schenke, freut es sich. Ist unendlich dankbar. Ich sehe es strahlen. Das schenkt mir Frieden. Ich habe einen Weg für mich gefunden, mich vor negativen äußeren Einflüssen zu schützen und gleichzeitig die selbstzerstörerischen Gedanken abzustellen. Nämlich, indem ich mich von der negativen Quelle abschneide und mich etwas Positivem zuwende. Konzentriere ich mich auf mein Wohl, dann kommen gar keine negativen Gedanken auf, die dann ein negatives Gefühl nach sich ziehen. Das erfordert natürlich auch Übung und gelingt mir auch in Zukunft vielleicht nicht immer. Aber ich weiß jetzt, wie es sich anfühlen kann!

2016-06-09

Das verletzte innere Kind

Im Moment ist viel in Bewegung. Ich bewege mich zwischen Licht und Schatten meines Ichs. Vor ca. 4 1/2 Jahren erfuhr ich von Hochsensibilität. Seitdem habe ich mich damit identifiziert und mich intensiv damit auseinander gesetzt.
Doch auch wenn ich mich in vielen Schilderungen und Beschreibungen wiederfand, so half diese Erkenntnis nicht über meinen tiefen inneren Schmerz hinweg, der irgendwo in mir schlummerte aber tief begraben und gut versteckt lag. Antriebslosigkeit und Depressionen sowie ein tiefer Kummer kamen immer wieder an die Oberfläche.
Dann traten ein paar liebe Menschen in mein Leben. Sie meinten es gut mit mir. Alle hatten die gleiche Botschaft. Sei du selbst. Liebe dich so wie du bist. Du bist liebenswert. Ich hörte diese Worte immer wieder. In unterschiedlichster Form. Aber ich konnte sie nicht verinnerlichen. Ich konnte sie nicht fühlen!

Das innere Kind war verwirrt. Wer war ich früher? Wer bin ich heute? Warum bin ich so wie ich bin? Das einzige, was in mir gespeichert war und sich immer wieder bemerkbar machte war Ablehnung: "So wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung." Wer hatte denn nun recht?

Dann erfuhr ich von John Bradshaw - Das Kind in uns und wie sich ein destruktiver Umgang im Kindesalter auf das spätere Leben auswirkt. Dass im Prinzip alle Familien bis zu einem gewissen Grade problembehaftet oder sogar traumatisiert sind oft über Generationen hinweg und dass es zumeist heruntergespielt, verleugnet oder totgeschwiegen wird.

Alles baut aufeinander auf. Ich habe immer wieder in meinen Posts erwähnt, wie wichtig der liebevolle, hingebungsvolle Kontakt zu Kindern ist. Dies gilt v.a. für die ersten Lebensjahre. Kinder müssen das Gefühl haben, erwünscht zu sein. Sie sind gerade im frühen Kindsalter total abhängig von ihren Bezugspersonen. Bekommen sie nicht die Aufmerksamkeit, die sie brauchen, werden sie auf verschiedene Weise auffällig. Alles ein Ausruf der Verzweiflung aber statt gehört zu werden, werden sie zum schweigen gebracht, wird ihnen eingetrichtert, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, sie nicht normal sind und sie verändert werden müssen. Dies geschieht dann über einen so langen Zeitraum bis das Kind schließlich selbst glaubt, es sei nicht in Ordnung so wie es ist und es den Kontakt zu sich selbst verloren hat.

Warum sind so viele Eltern überfordert? Eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein ist einer der schwierigsten Aufgaben im Leben. Keine Frage. Wahrscheinlich die Schwierigste. Sowie einer der Langwierigsten. Es dauert viele Jahre bis ein Mensch selbständig ist. Manche erreichen dieses Stadium nie. Sie sind erwachsene Kinder. Sie sind abhängig. Finanziell und/oder emotional. Diese Kinder bekommen auch wieder Kinder und so wird die Grundproblematik immer weiter fortgesetzt, es sei denn, jemand durchbricht diesen Kreis und möchte sich weiterentwickeln.

Fast jeder Mensch hat Defizite im Erwachsenenalter, die er mit verschiedensten Lebensstilen oder Suchtmitteln zu kompensieren versucht. Menschen vollziehen Ortswechsel in der Hoffnung es bringt auch innerliche Veränderung. Doch das ist nur eine Ablenkung. Das Problem bleibt bestehen, wenn man sich nicht dem Kern des Unbehagens widmet.

Nun werden einige sagen: "Ach, das ist Schnee von gestern. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern." Nein, das Gehirn hat es vielleicht ausgeblendet, aber die Zellen haben es irgendwo gespeichert und genau die sind es, die alle möglichen Emotionen sowie körperliche Symptome hervorrufen.

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe eine lange Zeit in meinem Leben total dicht gemacht. Alles spielte sich nur noch im Kopf ab. Ich habe dabei das Muster meiner Eltern übernommen. Automatisch. Natürlich ungewollt. Hier kann ich sagen: Mein Glück ist meine Hochsensibilität! Denn der Teil in meinem Gehirn, der für die Gefühle verantwortlich ist, meldet sich doch immer wieder heftigst zu Wort. Doch meine Reaktion war immer dieselbe. Für dich ist hier kein Platz! So bekam das Gefühl sobald es auch nur einen winzigen Ansatz machte an die Oberfläche zu kommen, gleich wieder einen Dämpfer. Reine Selbstfolter? Stimmt. Aber einen anderen Umgang hatte ich nicht gelernt.

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, ob meine Hochsensibilität nicht durch eine schwierige Kindheit entstanden ist. So viel passiert als junger Mensch in der Gehirnentwicklung und diese hängt maßgeblich von den Erfahrungen ab, die wir machen. Siehe hierzu auch Stress in Early Childhood unter Toxic Stress (auf englisch).

Doch die eigentliche Frage ist doch, wie ich das schlechte Gefühl über mich selbst und auch gegenüber anderen Menschen, in ein gutes Gefühl umkehren kann. Wie lerne ich mich selbst zu akzeptieren, damit ich andere Menschen so akzeptieren kann, wie sie sind? Die Veränderung muss immer bei einem selbst passieren. Verändert man etwas an seinem Selbstbild, verändert sich auch etwas am Gesamtbild und an den Beziehungen, die wir im Leben führen.

Eine so simple Frage wie: Wie bin ich gut zu mir? Die erlauben wir uns oft gar nicht, weil wir, als verletzte Kinder, gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse nicht wichtig sind bzw. eine untergeordnete Rolle spielen. Wir wissen nur, wie wir gut zu anderen sind, weil wir gelernt haben zu dienen. Unseren Eltern zu dienen, damit sie zufrieden mit uns sind. Damit sie uns endlich akzeptieren oder zumindest wahrnehmen!

Ich erlaube mir Trauer zu empfinden. Schmerz. Wut. Ich erlaube mir ich zu sein. Meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, egal ob sie trauriger, wütender oder fröhlicher Natur sind. Ich erlaube mir, mich selbst zu entdecken. Mich gern zu haben für das, was ich bin. Das Kind zu sein, das ich nie sein durfte. Einfach ich zu sein und die Welt um mich herum neu zu entdecken.