2017-01-27

Impulsen folgen

Ich lerne gerade. Wenn man Impulsen folgt, einer inneren Stimme, die genau weiß, was gerade das Richtige für einen ist, seinen Denkapparat dabei pausieren lässt, dann wird es gut. Woher kommt diese innere Weisheit? Woher weiß sie welcher Weg der richtige für mich ist?

Das Jahr ist noch jung. Gerade mal knapp einen Monat alt und trotzdem kommt es mir so vor, als wären schon mehrere Monate ins Land gezogen, wenn ich sehe, was alles in so kurzer Zeit geschehen ist.

Innerhalb weniger Wochen hat mein Lebensweg wieder eine komplett neue Richtung genommen. Die Zweifel und Unsicherheiten sind weg. Alles hat sich gefügt, wie es sich in keiner erfundenen Geschichte besser hätte fügen können. Alles macht wieder Sinn. Ich mache Sinn und das Beste ist, ich habe es selbst initiiert, habe den Ball ins Rollen gebracht und somit ist eins zum anderen gekommen. Entscheidung, neue Lebenssituation, neuer Job, neue Aufteilung, Reisepläne, glückliches Kind, glückliche Mutter!

Ich möchte mit diesem Artikel Mut machen. All denjenigen, die an sich und ihren Entscheidungen zweifeln. Wie fühlt es sich tief in dir drin an? Lass mal den Gedankenstrom versiegen und fühl nur in dich hinein. Lass die anderen weg. Streiche Gedankenfetzen wie ABER, WAS WENN, WIE, WARUM, WAS DENKT... Was fühlst du? Immer wenn wieder ein Gedanke auftaucht, schiebe ihn zur Seite und konzentriere dich wieder auf dich selbst. Zweifel nicht an der Echtheit deiner Gefühle. Lasse sie zu. Lasse sie zu Wort kommen und dir mitteilen, was sie dir sagen möchten. Kämpfe nicht gegen sie. Sie haben ihre Berechtigung. Alles, was in dir kommuniziert, möchte erhört werden und nicht übertönt durch den Wortschwall anderer oder deine Gedankenflut. Das macht dich nur unsicher.

Sei gut zu dir. Verschaffe deiner inneren Stimme Gehör, indem du dich ihr zuwendest und sie ernst nimmst. Schiebe die Zweifel deines Gehirns beiseite und vertraue deinem wirklichen Ich. Deinem Ursprung. Sei wieder du selbst und messe dich nicht an anderen. Lass dein Urvertrauen zurückkehren und Frieden in dir einkehren. Damit (er)schaffst du Selbstliebe und genau damit bist auch du selbst wieder fähig andere zu lieben. Du bist einfach du und ich bin ich. Zwei Paar Schuhe. Das, was sich für mich richtig anfühlt, ist für dich nicht unbedingt das Richtige und umgekehrt. Jeder ist einzigartig für sich. Darum geht es. Seinen eigenen Weg zu gehen und nicht in die Fußstapfen anderer zu treten.

2017-01-09

Gestörte Familienstrukturen

Ich hatte in letzter Zeit ein paar sehr bewegende Gespräche mit meinen Schwestern. Ich bin froh, dass wir uns gerade so nah sind. Dass wir über alles, das uns bewegt reden können. Das war nicht immer so. Über viele Jahre hatten wir uns ziemlich aus den Augen verloren. Jeder beschäftigt mit seinem Leben, seinen Problemen, seinem ganz persönlichen Drama. Gemeinsam haben wir, dass wir eine Menge Ballast mit uns herumschleppen. Vergangene Tragödien, die in uns weiterleben.

Es ist so traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass so viele Menschen leiden aufgrund ihrer Vergangenheit. Für mich ist jedoch nicht nur die Vergangenheit ausschlaggebend, sondern auch wie sehr uns die Vergangenheit auch in der Gegenwart einholt. Natürlicherweise möchte man den Kontakt zu Menschen vermeiden mit denen man schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Ich glaube mit die schlimmsten Tragödien finden in Familien statt. Da es die Menschen sind, denen wir für gewöhnlich am Nahsten stehen, verletzt es uns und können wir diesen Verletzungen auch kaum aus dem Weg gehen. Ein natürlicher Instinkt ist zu fliehen, wenn Gefahr droht. In einer Familienstruktur ist dies nur sehr eingeschränkt möglich und genau hier liegt die Tragödie, denn wir werden nicht nur Opfer, sondern auch Gefangene. Die Hoffnung, das diesmal alles anders ist, treibt uns immer wieder zu unserem Ursprung zurück. Es ist wie eine Sucht. Die Sehnsucht. Sehnsucht nach Liebe, Verständnis, Akzeptanz. Die Sehnsucht hält uns wie Gefangene.

Man sollte meinen, wenn man genügend schwierige Erfahrungen mit denselben Personen gemacht hat, lernt man daraus. Doch so einfach ist das nicht. Nur wenige können die alten Familienstrukturen wirklich konsequent meiden. Obwohl wir wissen, dass es uns schadet, begeben wir uns immer wieder in dieselbe Situation. Wir wiederholen sogar oft unbewusst die gleichen Strategien, obwohl sie uns zuwider sind. Wir haben es selbst so erfahren und geben es an die nächste Generation weiter.

All das macht uns krank. Wir sind nicht gut zu unseren Mitmenschen und noch weniger zu uns selbst. Aber wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. So geb ich die Hoffnung nie auf, dass irgendwann alles gut wird. Aber, ich habe gelernt, dass ich gut zu mir sein muss, weil ich sonst krank werde. Ich muss mir genau überlegen wie viel negative Energien ich aushalte. Die Dosis macht das Gift. Ich muss mich schützen, bevor ich mich in eine Negativwolke begebe, wenn es sich denn nicht vermeiden lässt. Ich muss bei mir bleiben, bei meinen Werten, an mich glauben und mich nicht vom Weg abbringen lassen. Diejenigen, die einen versuchen zu manipulieren, haben keinen inneren Frieden gefunden.

Warum ist es so schwer jemand anderen für seine Andersartigkeit gern zu haben? Warum sind wir so gefangen in einer Vorstellung wie ein Mensch sein sollte? Warum fällt es uns so schwer zu lieben?
An einer Weggabelung kann man immer zwei Wege wählen. Nach links oder rechts. Wegweiser erleichtern gewöhnlich die Wahl. Der eine Weg führt zu Akzeptanz, Verständnis und Liebe. Der andere führt in die Hölle. Highway to Hell.

Wie kann mir die Vergangenheit in der Gegenwart helfen? Wie kann ich von meinem Leid und das anderer lernen? Was kann ich für mich mitnehmen? Wenn ich mein Kind als meinen Lehrer betrachte, ermöglicht es mir die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie zeigt mir gerade, was sie braucht. Und im Prinzip sind unsere Bedürfnisse sehr ähnlich. Lange Zeit empfand ich oft Überforderung. Ich war in der Ernährerrolle und brauchte selber dringend Nahrung. Langsam lerne ich meine Energien anders zu fokussieren. Ich übe mich in Akzeptanz. Es ist wie es ist. Indem ich ihr die Aufmerksamkeit schenke, die sie braucht, nähre ich auch mein inneres Kind. Diese Visualisierung vereinfacht es für mich. Damit fange ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich muss nicht mehr sehnsüchtig warten, bis ich mich um mein inneres Kind kümmern kann, das eigentlich ständig zu kurz kommt und in mir motzt. Wenn ich es miteinbeziehe und es mitkuscheln, mitspielen und mitreden lasse, dann sind alle vereint. 💕
Klingt schräg aber erzeugt in mir ein wohliges Gefühl von Frieden.

2017-01-01

Identitätskrise (Ich sein)

In meinem Blogpost Zentrum der Achtsamkeit vor etwas über einem halben Jahr habe ich lauter Dinge aufgezählt, die mir wichtig sind. Mein Text dazu damals. "Hier möchte ich sein" passt gut. Im Moment klingt es fast wie eine nette Theorie. Vor ein paar Monaten stürzte ich mich in ein Abenteuer, das von so vielen Zweifeln umgeben war, die ich ständig versuchte auszublenden, ja zu ignorieren.

Es war schön mal wieder etwas für MICH zu tun. Ich war zwar viel unter Menschen, tat aber etwas ausschließlich für mich und war mein eigener Herr. Keiner der ständig meine Aufmerksamkeit verlangte. Keiner, der mir auf Schritt und Tritt folgte. Keiner, der mir auf die Finger guckte. Ich konnte mich frei bewegen. So frei es in einem vollgepackten Programm eben möglich ist. War dieser sehr arbeitsreiche und aufwendige Weg wirklich der einzige Weg, um aus dem Gefühl des gefangen seins auszubrechen?

Es ist wichtig etwas für mich zu machen. Das kommt viel zu kurz in der momentanen Familiensituation aber ist ein Haufen Arbeit die einzige Möglichkeit? Worum geht es hier eigentlich? Was ist mein Problem?

Ich sein.

Wer bin ich denn? Ich bin Anne. Ja, das ist mein Name. Und sonst? Was definiert mich? Was ist denn das, was mich ausmacht? Identitätskrise? Wie bin ich denn ich? Wie möchte ich sein?

Frei.

Bin ich frei ohne Verpflichtungen? Bin ich frei ohne Job oder Familie? Bin ich frei, wenn ich ans andere Ende der Welt fliege?

Das wäre schön.

Langsam wird mir bewusst. Freiheit kommt von innen. Ich bin in mir selbst gefangen. Aber warum? Was ist es, das mich lähmt und ausbremst?

Mein Gedankenkarussell.
Total verkopft, wie ein weiser Mann letzten Frühling zu mir sagte, als er mein Energiefeld wahrnahm.

Mir wird gerade bewusst. Ich bin noch weit entfernt vom einfach nur (ich) sein.

Ich gucke mir noch einmal mein Mindmap an. In der Mitte das Herz. Selbstliebe. Tu, was dir gut tut! Jeden Tag. Das mache ich mir jetzt zum Mantra. Mal seh'n ob's hilft! 💗

2016-12-08

Neuanfang

Was ist passiert? Es ist so still geworden hier. Ja, ich lebe noch. Ich lebe wieder. Ich habe mich quasi wiederbelebt. Hinaus in die Welt gewagt, die mir oft so bedrohlich erschien. Die Onlinewelt durfte ruhen. (Das hat sie natürlich nicht getan, aber bei mir hat sie sich doch auf ein Minimum beschränkt.)

Neuanfang. Das klingt so bahnbrechend. So "WOW", was hat es damit auf sich? Für mich persönlich ist es das sicher auch. Es ist aber nicht nur aufregend und schön. Es ist vor allem herausfordernd. Entwicklungsfördernd würde ich meinen. Jetzt erst richtig neugierig geworden? 😏

Ich habe vor ein paar Monaten mit etwas Neuem angefangen. Spontane Ideen sind bei mir meistens die Besten. Sie sind vielleicht "unüberlegt*" aber intuitiv. Das kann von Vorteil sein (bei mir jedenfalls), denn jedes Mal, wenn das Gehirn geschafft hat sich einzuschalten (dazwischen zu funken), ist es mir meist im Weg mit seinen unermüdlichen Abwägungen. Oft habe ich mir das Hirn zermartert, wie man so schön sagt, bis ich so gelähmt war, dass eine Entscheidung kaum mehr möglich war und wenn, dann definitiv keine aus dem Bauch heraus.

Immer wieder habe ich mich in meinem Leben gefragt, was der Sinn meines Daseins ist. Warum bin ich hier? Für andere? Für mich und meine Entwicklung? Macht alles Sinn? Mache ich Sinn? Hab ich so etwas wie eine Bestimmung (Berufung)? Ich kam mir verloren vor. Ich hatte das Gefühl zu mir selbst verloren. Dann wurde ich Mutter und mein Leben machte für mich eine ganze Menge mehr Sinn. Für mich ist es gleichzeitig das größte Glück und die größte Herausforderung in meinem bisherigen Leben.

Ich drücke gerade wieder die Schulbank. Diesmal ist aber alles anders. Ich meine nicht nur die äußeren Umstände wie eigene Familie, anderes Umfeld und Sprache sowie extrem komprimierter Inhalt. Ich habe diesmal wirklich das Gefühl. Ich lerne fürs Leben. Ethik, Physiologie & Psychologie, Pädagogik. Gesundheitspflege. Zusammenhänge verstehen. Alles Themen, die mich auch im privaten Leben seit Jahren beschäftigen, mit denen ich mich auseinandersetze und mit denen wir (ich) im täglichen Leben konfrontiert werde(n). Allgemeinwissen sozusagen. Und doch wissen viele so wenig darüber.

Neulich sah ich einen kleinen Bub, im Alter von etwa 6 Jahren ins Fernsehen rufen. "Wir sind alle gleich viel wert! Sei du selbst." Eine so einfache Message, die so viel aussagt.
Von einem Kind. Toll! Welch Selbstbewusstsein. Beneidenswert.

Das bringt mich aber auch immer wieder dahin zurück, dass das Umfeld in dem ich aufwuchs einfach nur krank war. Mich krank gemacht hat. Schade, dass mich das bis heute begleitet...UND belastet.

Das was war, ist nicht zu ändern. Das was kommt, kann ich beeinflussen. Mein Ziel ist es, das JETZT sein, für mich möglichst angenehm zu gestalten. Nicht zu viel nachzudenken, sprich Gehirnmarterei zu betreiben. Ich höre die Worte von Eckhart Tolle. "Lebe im Jetzt." Danke für die Erinnerung. Manchmal hat so ein Hirn auch wieder seine Vorteile. 😊



unüberlegt* = sprich bei mir: bis ins kleinste Detail geplant

2016-08-21

Einfach sein

Ich beobachte sie. Wie sie sich bewegt. Sie ist ganz sie selbst. Natürlich und unbeschwert. Tanzend bewegt sie sich durchs Leben. Macht Menschen glücklich. Einfach nur so durch ihr Sein...



...ich genieße diesen Augenblick...




2016-06-26

Wie schütze ich mich?

Heute ist ein tiefer Frieden in mir. Gestern ist für mich etwas sehr bahnbrechendes passiert. In mir war dieses Glücksgefühl. Glück darüber, dass das irdische Dasein nicht begrenzt sein muss. Ich setze mir Grenzen zu anderen Menschen aber bin mir selbst gegenüber grenzenlos achtsam. Mein Thema ist, mich zu schützen und trotzdem nicht komplett dicht zu machen. Das heißt, ich schütze mich vor negativen Energien, z.B. durch einen imaginären Schutzpanzer, ich stelle mich dann in einer Ritterrüstung vor oder in der Mitte einer energetisch geschützten Kugel, distanziere mich physisch von dem zerstörerischen Energiefeld und wende mich nur meinem inneren Kind zu. Beschütze es, umarme es und bin nur bei mir. Dabei stelle ich mir vor, wie ich auf das dreijährige Kind in mir aufpasse. Helfen dabei tut mir, dass meine Tochter gerade in dem Alter ist. Ich sehe, wie verletzlich ich zu dem Zeitpunkt bin (war) und das dieses Kind eine Menge Zuwendung braucht. Wenn ich ihm Beachtung schenke, freut es sich. Ist unendlich dankbar. Ich sehe es strahlen. Das schenkt mir Frieden. Ich habe einen Weg für mich gefunden, mich vor negativen äußeren Einflüssen zu schützen und gleichzeitig die selbstzerstörerischen Gedanken abzustellen. Nämlich, indem ich mich von der negativen Quelle abschneide und mich etwas Positivem zuwende. Konzentriere ich mich auf mein Wohl, dann kommen gar keine negativen Gedanken auf, die dann ein negatives Gefühl nach sich ziehen. Das erfordert natürlich auch Übung und gelingt mir auch in Zukunft vielleicht nicht immer. Aber ich weiß jetzt, wie es sich anfühlen kann!

2016-06-09

Das verletzte innere Kind

Im Moment ist viel in Bewegung. Ich bewege mich zwischen Licht und Schatten meines Ichs. Vor ca. 4 1/2 Jahren erfuhr ich von Hochsensibilität. Seitdem habe ich mich damit identifiziert und mich intensiv damit auseinander gesetzt.
Doch auch wenn ich mich in vielen Schilderungen und Beschreibungen wiederfand, so half diese Erkenntnis nicht über meinen tiefen inneren Schmerz hinweg, der irgendwo in mir schlummerte aber tief begraben und gut versteckt lag. Antriebslosigkeit und Depressionen sowie ein tiefer Kummer kamen immer wieder an die Oberfläche.
Dann traten ein paar liebe Menschen in mein Leben. Sie meinten es gut mit mir. Alle hatten die gleiche Botschaft. Sei du selbst. Liebe dich so wie du bist. Du bist liebenswert. Ich hörte diese Worte immer wieder. In unterschiedlichster Form. Aber ich konnte sie nicht verinnerlichen. Ich konnte sie nicht fühlen!

Das innere Kind war verwirrt. Wer war ich früher? Wer bin ich heute? Warum bin ich so wie ich bin? Das einzige, was in mir gespeichert war und sich immer wieder bemerkbar machte war Ablehnung: "So wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung." Wer hatte denn nun recht?

Dann erfuhr ich von John Bradshaw - Das Kind in uns und wie sich ein destruktiver Umgang im Kindesalter auf das spätere Leben auswirkt. Dass im Prinzip alle Familien bis zu einem gewissen Grade problembehaftet oder sogar traumatisiert sind oft über Generationen hinweg und dass es zumeist heruntergespielt, verleugnet oder totgeschwiegen wird.

Alles baut aufeinander auf. Ich habe immer wieder in meinen Posts erwähnt, wie wichtig der liebevolle, hingebungsvolle Kontakt zu Kindern ist. Dies gilt v.a. für die ersten Lebensjahre. Kinder müssen das Gefühl haben, erwünscht zu sein. Sie sind gerade im frühen Kindsalter total abhängig von ihren Bezugspersonen. Bekommen sie nicht die Aufmerksamkeit, die sie brauchen, werden sie auf verschiedene Weise auffällig. Alles ein Ausruf der Verzweiflung aber statt gehört zu werden, werden sie zum schweigen gebracht, wird ihnen eingetrichtert, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, sie nicht normal sind und sie verändert werden müssen. Dies geschieht dann über einen so langen Zeitraum bis das Kind schließlich selbst glaubt, es sei nicht in Ordnung so wie es ist und es den Kontakt zu sich selbst verloren hat.

Warum sind so viele Eltern überfordert? Eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein ist einer der schwierigsten Aufgaben im Leben. Keine Frage. Wahrscheinlich die Schwierigste. Sowie einer der Langwierigsten. Es dauert viele Jahre bis ein Mensch selbständig ist. Manche erreichen dieses Stadium nie. Sie sind erwachsene Kinder. Sie sind abhängig. Finanziell und/oder emotional. Diese Kinder bekommen auch wieder Kinder und so wird die Grundproblematik immer weiter fortgesetzt, es sei denn, jemand durchbricht diesen Kreis und möchte sich weiterentwickeln.

Fast jeder Mensch hat Defizite im Erwachsenenalter, die er mit verschiedensten Lebensstilen oder Suchtmitteln zu kompensieren versucht. Menschen vollziehen Ortswechsel in der Hoffnung es bringt auch innerliche Veränderung. Doch das ist nur eine Ablenkung. Das Problem bleibt bestehen, wenn man sich nicht dem Kern des Unbehagens widmet.

Nun werden einige sagen: "Ach, das ist Schnee von gestern. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern." Nein, das Gehirn hat es vielleicht ausgeblendet, aber die Zellen haben es irgendwo gespeichert und genau die sind es, die alle möglichen Emotionen sowie körperliche Symptome hervorrufen.

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe eine lange Zeit in meinem Leben total dicht gemacht. Alles spielte sich nur noch im Kopf ab. Ich habe dabei das Muster meiner Eltern übernommen. Automatisch. Natürlich ungewollt. Hier kann ich sagen: Mein Glück ist meine Hochsensibilität! Denn der Teil in meinem Gehirn, der für die Gefühle verantwortlich ist, meldet sich doch immer wieder heftigst zu Wort. Doch meine Reaktion war immer dieselbe. Für dich ist hier kein Platz! So bekam das Gefühl sobald es auch nur einen winzigen Ansatz machte an die Oberfläche zu kommen, gleich wieder einen Dämpfer. Reine Selbstfolter? Stimmt. Aber einen anderen Umgang hatte ich nicht gelernt.

Ich habe schon länger darüber nachgedacht, ob meine Hochsensibilität nicht durch eine schwierige Kindheit entstanden ist. So viel passiert als junger Mensch in der Gehirnentwicklung und diese hängt maßgeblich von den Erfahrungen ab, die wir machen. Siehe hierzu auch Stress in Early Childhood unter Toxic Stress (auf englisch).

Doch die eigentliche Frage ist doch, wie ich das schlechte Gefühl über mich selbst und auch gegenüber anderen Menschen, in ein gutes Gefühl umkehren kann. Wie lerne ich mich selbst zu akzeptieren, damit ich andere Menschen so akzeptieren kann, wie sie sind? Die Veränderung muss immer bei einem selbst passieren. Verändert man etwas an seinem Selbstbild, verändert sich auch etwas am Gesamtbild und an den Beziehungen, die wir im Leben führen.

Eine so simple Frage wie: Wie bin ich gut zu mir? Die erlauben wir uns oft gar nicht, weil wir, als verletzte Kinder, gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse nicht wichtig sind bzw. eine untergeordnete Rolle spielen. Wir wissen nur, wie wir gut zu anderen sind, weil wir gelernt haben zu dienen. Unseren Eltern zu dienen, damit sie zufrieden mit uns sind. Damit sie uns endlich akzeptieren oder zumindest wahrnehmen!

Ich erlaube mir Trauer zu empfinden. Schmerz. Wut. Ich erlaube mir ich zu sein. Meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, egal ob sie trauriger, wütender oder fröhlicher Natur sind. Ich erlaube mir, mich selbst zu entdecken. Mich gern zu haben für das, was ich bin. Das Kind zu sein, das ich nie sein durfte. Einfach ich zu sein und die Welt um mich herum neu zu entdecken.

2016-05-04

Liebestank voll oder leer?

In meinem letzten Blogpost ging es um die viele Aufmerksamkeit, die meine Tochter im Moment braucht und dass sie besonders wert auf ungeteilte Aufmerksamkeit legt. Ich sprach bereits an, dass wenn man als Kind nicht genügend Aufmerksamkeit (Liebe) bekommt, das später im Erwachsenenalter zu allen möglichen Beziehungsproblemen führen kann, weil wir immer (unbewusst) erwarten, dass andere unseren Liebestank füllen (sollen). Das funktioniert natürlich nicht, weil kein Mensch später diese Lücke füllen kann. Die Erwartungen an den anderen sind einfach immens hoch, denn schließlich ist die Aufmerksamkeit einer Mutter oder eines Vaters die wichtigste als Baby bzw. Kleinkind. Fehlt diese, entsteht eine Lücke, die im Laufe des Lebens immer größer wird und die wir mit allem möglichen versuchen zu stopfen (Alkohol, Drogen, ungesunde Essgewohnheiten um nur ein paar zu nennen). Doch all diese Ersatzbefriedigungen sind nur von kurzer Dauer. Danach breitet sich wieder Leere aus, die eventuell als noch schlimmer empfunden wird, weil die Erkenntnis kommt, dass der Liebestank immer noch leer ist. So traurig es ist, ich denke, wenn jemand ein gestörtes Verhältnis zu Beziehungen zeigt, dann ist der Grund dafür in erster Linie bei den Eltern oder/und in den frühen Lebensjahren zu suchen. "Aber ich habe meinem Kind doch immer alles recht gemacht!" Stopp! Ist das wirklich so richtig? Oder sollte es richtiger heißen: "...recht machen wollen!" Sätze wie: "Mein Kind ist so undankbar!" sind unfair dem Kind gegenüber, denn es impliziert, dass ich als Mutter bzw. Vater doch alles richtig gemacht habe!? Ich finde keinen Fehler bei mir, also muss der Fehler beim Kind liegen.

Ja, was ist denn da schief gelaufen? Nicht jede Aufmerksamkeit ist gut und jedes Kind hat unterschiedliche Bedürfnisse. Das was uns wichtig und richtig erscheint, ist vielleicht für unser Kind nicht optimal.

Folgendes Szenario.

Wir sind im Mutterleib. Geborgen. Geschützt. Geliebt. Dann erblicken wir das Licht der Welt. In keinem Moment sind wir so hilflos. Dann kommen wir zur Mama. Saugen das erste Mal an ihrer Brust. Wir schmiegen uns an sie.

Doch was ist, wenn das gar nicht geschieht? Wenn das Baby von der Mutter getrennt wird, weil es zu Komplikationen kommt oder Ärzte es für richtig halten, sie getrennt zu halten. Wenn ich mich in die Lage der Mutter versetze. Ich möchte das Beste für mein Kind. Immer.

Die Mutter vertraut den Ärzten. Doch was ist mit der Beziehung zwischen Kind und Mutter? Bekommt sie jetzt einen Knacks? Wird sich diese Trennung auf das gesamte Leben und die Beziehung der beiden auswirken? Niemand weiß genaues. Doch wenn ich mit meinem gesunden Menschenverstand denke und mit meinem Herzen fühle (!), dann kann so ein Eingriff sich nicht positiv auf die Beziehung der beiden auswirken und es zerreißt mich innerlich.

Wir schreien und schreien. Doch niemand vertrautes kommt. Keine vertraute Stimme, kein vertrauter Geruch, kein vertrautes Gefühl. Wir fühlen uns schrecklich verlassen.

"Schreien kräftigt die Lungen des Kindes!" Bitte was??? Früher sagte man, dass man ein Kind nicht öfter als alle 4 Stunden stillen bzw. füttern sollte und wenn es sich vorher meldete, musste es eben schreien. Wenn ich überlege wie oft ich mein Kind in den ersten Monaten angelegt habe, dann hätte es, hätte ich mich an diese Regel gehalten, ständig geschrien und wer kann sein Kind schon schreien hören. Ich jedenfalls nicht.

Wer bestimmt solche stumpfen Regeln? Wie kommt man auf so etwas? Wenn ich überlege wie viel Leid geschieht durch irgendwelche, irgendwann aufgesetzten Regeln, dann wird mir schlecht. Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Lautes, anhaltendes Schreien ist immer ein Hilferuf. Als Baby machen wir noch lautstark auf uns aufmerksam. Werden wir immer öfter überhört, verstummen wir irgendwann. Dann heißt es: "Das Kind sagt ja nix." So nach dem Motto: wenn es etwas will oder braucht, kann es sich ja mitteilen. Eben nicht! Warum sollte dies nun geschehen? Das Kind hat gelernt: für mich und meine Bedürfnisse ist kein Platz. Ich bin allein mit mir und meiner Welt.

Ich wünschte, mehr Kinderstimmen würden erhört. Ich wünschte, mehr Menschen würden einander zuhören. Ich wünschte, das Leben würde mit Liebe beginnen, in Liebe fließen und in Liebe enden. Amen.

2016-04-28

Ungeteilte Aufmerksamkeit

Wir alle mögen sie. Ungeteilte Aufmerksamkeit. Wenn uns jemand seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Ohne Ablenkung. Wir nicht mit anderen geteilt werden. Wenn unsere Bedürfnisse erkannt und befriedigt werden. Ich glaube sogar, wenn man dies in frühen Kinderjahren versäumt hat zu erfahren, wurde der Bedarf nie gestillt und führt unwiederbringlich zu verschiedenen Verhaltensmustern bis spät ins Erwachsenenalter. Das kann zu allen möglichen Beziehungsproblemen führen, weil wir immer (unbewusst) erwarten, dass andere unseren Liebestank füllen (sollen). Das funktioniert natürlich nicht, weil kein Mensch später diese Lücke füllen kann.

Ich habe die Beziehung zwischen meiner Tochter und ihrem Papa sowie zwischen ihr und mir in der letzten Woche etwas genauer beobachtet, nachdem ich mich im letzten Blogeintrag fragte, warum sie v.a. ihrem Papa gegenüber manchmal so ablehnend ist. Ich denke, ich habe dies nun ein Stück weit erkannt.

Zum einen ist es natürlich so, dass sie uns testet mit ihrem teilweise aufmüpfigen Verhalten. Wie weit kann ich gehen, bis mir Grenzen gesetzt werden? Wie reagieren Mama oder Papa auf dieses oder jenes Verhalten? Dann spielt sehr stark eine Rolle wie viel Zeit man ihr widmet. Da ich für gewöhnlich mehr Zeit mit ihr verbringe, schließe ich daraus, dass sie deshalb auch mehr an mir hängt. Primär nach mir fragt. Aber es reicht nicht aus nur da zu sein. Wir müssen uns regelmäßig mit ihr beschäftigen, ihr unsere volle Aufmerksamkeit schenken, ohne Ablenkung.

Ich beobachtete, dass sie oft ankam und er -da beschäftigt- nur wenig auf sie einging bzw. sie "ablehnte", indem er ihr sagte, dass er jetzt gerade keine Zeit hätte. Wie war das noch? Das was wir aussenden, kommt zu uns zurück. Also, seine "Ablehnung" resultierte in ihrem ablehnenden Verhalten bzw. bevorzugen einer anderen Person. Klingt logisch oder? Wenn ich die Aufmerksamkeit, die ich gerade haben möchte nicht von der einen Person bekomme, dann hole ich sie mir bei der anderen (wenn eine da ist).
Ich fragte also meinen Mann wie viel ungeteilte Aufmerksamkeit er ihr wirklich schenkte und schlug vor mehr Quality Time mit ihr zu verbringen. Sofort bekam er die Belohnung von ihr. Sie freute sich unglaublich und drehte dann sogar den Spieß um (war aber sehr lieb dabei!;-), indem sie meinte, ich sollte in das andere Zimmer gehen. Vorher allerdings wusch und trocknete sie mir einen Apfel ab und meinte, den sollte ich nun essen. Aber im anderen Zimmer. Ich konnte mein Grinsen nicht verbergen und dann hieß es sofort: "Nicht lachen!" (sie will nicht, dass man über sie lacht. Klar, wer mag das schon?;-)

Jedenfalls zeigt es doch, wie schnell sich ein Verhalten aufklären lässt. Ich finde es ganz spannend, die Entwicklung meiner Tochter zu beobachten und zu sehen, wie sich ständig etwas verändert. Auch bin ich beeindruckt wie schnell sich ein Verhalten umkehren lässt, wenn man dem Kind die Aufmerksamkeit schenkt, die es braucht.

Für uns bedeutet das. Wir müssen sie einfach noch mehr in unseren täglichen Aufgaben mit einbeziehen (was mittlerweile auch schon ganz gut klappt, da sie sehr gerne mithilft) oder mal eine Pause für sie machen, damit sie zufrieden ist. Letztendlich ist damit allen geholfen und das Familienklima wesentlich angenehmer. Natürlich erfordert dies auch ein großes Maß an Geduld.

Nach der Erkenntnis, dass sie ein Kind ist, dem ungeteilte Aufmerksamkeit extrem wichtig ist, habe ich einen sehr interessanten Artikel gefunden, der meinen Ansatz bestätigt: Warum Kinder ständig unsere Aufmerksamkeit verlangen. Dort werden auch die verschiedenen Arten von Aufmerksamkeit erklärt und ob das Kind, die von ihm bevorzugte Art von Aufmerksamkeit bekommt. Bestimmte Arten der Aufmerksamkeit können effektiver sein, als andere. Höchst spannend!